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Arthur-Stern-Platz: Versöhnung mitten im Leben
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Arthur-Stern-Platz: Versöhnung mitten im Leben

Verena Maria Kitz
Ein Beitrag von

Verena Maria Kitz,

Katholische Pastoralreferentin in St. Michael, Zentrum für Trauerseelsorge, Frankfurt

Gut zwei Monate ist es her: Da wurde der neue Platz am Bahnhof im Frankfurter Stadtteil Rödelheim feierlich eröffnet. Die Bauzäune sind endlich weg, die Bäume werden grün, und es wird langsam lebendig auf diesem Platz:

Viele Leute warten an den Bushaltestellen, man hört alle möglichen Sprachen. Kinder balancieren auf den niedrigen Mäuerchen rund um die Bäume. Und auf den Bänken sitzen Ältere und Jüngere, trinken Kaffee und reden miteinander. Bald soll es sogar einen Wochenmarkt geben.

Das hätte ihm bestimmt gut gefallen: Arthur Stern. Nach ihm ist der neue Platz am Rödelheimer Bahnhof jetzt benannt. Arthur Stern hatte mit seiner Frau ein kleines Textilgeschäft in Frankfurt-Rödelheim. Er war ein begeisterter Sportler, Vorsitzender des Fußballvereins, und Arthur Stern war Jude.

Das wurde ihm und seiner Familie vor 80 Jahren zum Verhängnis. In der Reichspogromnacht 1938 wurde sein Geschäft zerstört, und er wurde ins Konzentrationslager verschleppt, nach Buchenwald. Es war wie ein Wunder, dass er nach einigen Wochen wieder freikam. Seine Frau hatte sich geradezu todesmutig für ihn eingesetzt, an seine Verdienste im 1. Weltkrieg erinnert.

 

Über diese Zeit im KZ hat Arthur Stern nie geredet, auch nicht mit seiner Familie. Aber es war klar: Sie mussten weg aus Frankfurt, ja, aus Deutschland. Nach zwei Jahren konnten sie schließlich unter größten Schwierigkeiten gerade noch in die USA fliehen. Seine Schwester und deren Familie starben auf dem Transport ins KZ.

Dass jetzt, 80 Jahre nach diesen furchtbaren Erfahrungen ein Platz in seiner Heimatstadt nach ihm benannt wurde, das war für seine Nachkommen sehr bewegend.

 

Seine Tochter war schon vor einigen Jahren zweimal nach Deutschland gekommen, die örtliche Kirchengemeinde hatte den Kontakt gesucht. Es gab auch Begegnungen mit jungen Leuten, bei denen sie davon erzählen konnte, wie es damals war 1938 und dann auf ihrer Flucht.

Jetzt bei der Eröffnung des Platzes am Bahnhof Rödelheim waren seine Enkel dabei. Carol, Arthur Sterns Enkelin, hat in ihrer Rede gesagt: „Es ist wichtig, Verbindungen aufzubauen, um Frieden zu finden. Dieser Geist ist es, der uns alle vorwärtsbringt“.

Sie hat so recht: Wir brauchen solche Verbindungen, diesen offenen Geist, gerade in Zeiten, in denen judenfeindliche Parolen und Taten so erschreckend zunehmen. Wie gut, dass der Platz voller Begegnungen nach ihm benannt ist: Nach Arthur Stern, dem jüdischen Mitbürger aus Frankfurt-Rödelheim – ein sichtbares Zeichen der Versöhnung, mitten im bunten Frankfurter Leben.

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