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Wahlsonntag
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Wahlsonntag

Thomas Drumm
Ein Beitrag von

Thomas Drumm,

Evangelischer Pfarrer, Leiter der Akademiker-SMD, Marburg

„Jesus wäre nicht zur Wahl gegangen“, hat mir ein Bekannter gesagt. Verwundert habe ich gefragt: „Wie kommst du denn darauf?“ Seine Antwort: „Ist doch egal, welche Partei ich wähle. Es ändert sich eh nichts.“

Ok, ich bin ab und zu auch enttäuscht. Mir gefällt nicht alles, was politisch entschie-den wird. Da werden auch Gesetze erlassen, die meiner Lebenseinstellung und meiner Weltsicht widersprechen. Aber deshalb nicht wählen gehen? Nein, das kommt für mich nicht in Frage. Ich bin dankbar, dass ich in einer Demokratie lebe und nicht in einer Diktatur oder in einer Ein-Parteien-Regierung – wie fast die Hälfte der Weltbevölkerung.

Ich bin dankbar, dass ich mitbestimmen kann, wer bei uns den Ton angibt. Dafür haben Generationen vor mir gestritten und gekämpft, dass sie frei wählen dürfen. Das lass ich mir doch nicht nehmen. Darum gehe ich zur Wahl. Aus Überzeugung. Und ich denke: Auch Jesus wäre wählen gegangen. Als er einmal gefragt wurde, wie er zur Regierung steht, hat Jesus gesagt: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser zusteht, und Gott, was Gott zusteht!“

Das heißt doch heute: Gebt der Demokratie, was der Demokratie zusteht. Also nehmt Euer Wahlrecht wahr. Überlasst die Entscheidung darüber, wer in den nächsten vier Jahren den Kurs bestimmt, nicht nur den anderen. Darum will ich der Demokratie geben, wovon die Demokratie lebt: Meine Stimme.

Und noch etwas will ich tun. Ich will für die, die heute gewählt werden, beten. Ich will darum beten, dass sie ihr Amt recht ausfüllen, gute und richtige Entscheidungen treffen und zum Wohl der Menschen und in der Verantwortung vor Gott regieren. Ich finde, auch das bin ich der Demokratie schuldig.

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