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Versunkene Dörfer und neues Leben
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Versunkene Dörfer und neues Leben

Susanna Petig
Ein Beitrag von

Susanna Petig,

Evangelische Pfarrerin, Kirchspiel Gensungen, Felsberg /Eder
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Es ist dämmerig, gegen zehn Uhr abends.
Der Regen hat aufgehört, aber die Luft ist noch ganz feucht. Wie Nebel.
Ich stehe am Edersee – nein, eigentlich im  Edersee.
Der Wasserstand ist so niedrig, dass die vor über 100 Jahren  überfluteten Dörfer wieder freiliegen. Zumindest die Grundmauern, das, was noch übrig ist.
Die alte Brücke von Asel.
Grundrisse von ehemaligen Höfen sind erkennbar.
Wo ich stehe, ist sonst der Seegrund.
Aber früher lebten hier Menschen.
Es herrscht eine seltsame Stimmung hier, jetzt: zwischen Tag und Nacht, zwischen düster und friedlich. Zu Schaden gekommen ist hier niemand seinerzeit, die Menschen wurden umgesiedelt, bevor der See entstand.
Wie wird das für sie gewesen sein, ihr Dorf, ihr Zuhause,  an die Fluten zu verlieren?
Wie lange hatten ihre Familien schon dort gewohnt, über wie viele Generationen?
Wie sicher hatten sie sich gefühlt?
„Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben“, sagt ein Psalm in der Bibel (Psalm 39, Vers 6, im AT) – und mir ist, als wehe mir aus diesen Worten eine ähnliche Stimmung entgegen wie in jener Abenddämmerung.
Das Leben zu biblischen Zeiten war anders als unser modernes heute, klar – aber die Menschen trugen sich doch mit denselben Grundfragen und machten dieselben Grunderfahrungen wie wir.
Aber die Bibel bleibt nicht stehen damit. Sie verheißt uns, dass in allem Werden und Vergehen doch eines immer bleibt: Gottes Liebe zu uns.
Sie gibt uns Heimat und Zukunft.
Die Menschen aus den überfluteten Dörfern haben ein neues Zuhause gefunden.
Mit dem Verlust des alten eröffnete sich ein neues Leben.
Ich sehe darin ein Bild für das, was in übertragenem Sinne uns allen blüht.
Gottes Liebe schenkt uns Leben und Zukunft.

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