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Und wenn wir alle zusammenziehen?
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Und wenn wir alle zusammenziehen?

Dr. Annegreth Schilling
Ein Beitrag von

Dr. Annegreth Schilling,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt

Und wenn wir alle zusammenziehen?
Ich erinnere mich gern an den Film, der vor ein paar Jahren im Kino lief.
Mit Daniel Brühl in der Hauptrolle, den ich im Stillen verehre.
Aber nicht nur deswegen fand ich den Film toll.
Sondern auch wegen der Idee: 5 altgewordene Paare ziehen in ein Haus und gründen eine Alters-WG. Und ein junger Doktorand – ja, das ist Daniel Brühl – zieht mit ein und begleitet diese alten Menschen mit Interviews und Videoaufnahmen.

Und wenn wir alle zusammenziehen?
Diese Frage spielt mit einer Möglichkeit, die letztlich auch Realität wurde.
Menschen ziehen zusammen, sie teilen sich ein Haus, trotz unterschiedlicher Vorstellungen vom Leben.
In einem völlig anderen Zusammenhang taucht diese Frage für mich wieder auf:
Und zwar wenn ich an die verschiedenen, miteinander altgewordenen christlichen Konfessionen denke. Römisch-katholisch, orthodox, lutherisch, reformiert, baptistisch, anglikanisch, methodistisch, pfingstlerisch und so viele mehr.

Und wenn wir alle zusammenziehen?
Wie wäre es, wenn wir alle in einem Haus wohnen könnten? Was würde sich da für mich verändern? Wenn ich mit einer äthiopisch-orthodoxen Familie Tür an Tür wohnen würde? Wenn ich die Gitarre meines baptistischen Nachbarns nachts zum Einschlafen hören könnte?

Was wäre, wenn?

In diesen Tagen findet die Gebetswoche für die Einheit der Christen statt. Christen aller nur denkbarer Konfessionen beten rund um den Globus für die Einheit der Kirche.
Das ist eine tolle Initiative, finde ich. Die Gebetswoche spielt mit der Möglichkeit:
Und wenn wir alle zusammenziehen?

Ökumene, so heißt das Zauberwort. Es bedeutet so viel wie: die gesamte bewohnte Welt, der Haushalt Gottes. In der ökumenischen Gebetswoche für die Einheit der Christen wird die Möglichkeit des Zusammenlebens von Christinnen und Christen ganz real erfahrbar. In gemeinsamen Andachten, Bibelmeditationen und ökumenischen Gottesdiensten. Zum Beispiel heute Abend im Berliner Dom.

Diese Gebetswoche ist für mich eine jährliche Übung: Denn das geschwisterliche Zusammenleben zwischen Christinnen und Christen sendet ein sichtbares Zeichen in die Welt: dass ein friedliches, respektvolles Zusammenleben möglich ist – trotz aller Unterschiede.

Natürlich gibt es auch jenseits der Gebetswoche Menschen, die gemeinsam als Christen unterschiedlicher Tradition oder Herkunft zusammenleben. Familien, wo ein Partner evangelisch und der andere katholisch ist. Oder geistliche Gemeinschaften und Kommunitäten. Hier wird Ökumene täglich unter einem Dach ausgehandelt und gelebt.

In drei Jahren, im Jahr 2021, findet in Frankfurt der 3. Ökumenische  Kirchentag statt. Ich wünsche mir, dass viele Menschen auch den Kirchentag als Gelegenheit wahrnehmen: dass sie ihre Häuser öffnen und die Möglichkeit real werden lassen: als Kinder Gottes unter einem Dach zu wohnen.

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