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Tu deinen Mund auf für die Stummen
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Tu deinen Mund auf für die Stummen

Charlotte von Winterfeld
Ein Beitrag von

Charlotte von Winterfeld,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt

Da stehen sie in einer Reihe nebeneinander, elf sehr unterschiedliche Menschen, auf dem Marktplatz vor dem Alten Rathaus in Mannheim. Vor sich halten sie große Fotos von Tieren, die beim Viehtransport gestorben sind. Das war im letzten Jahr. Elisabeth zum Beispiel ist etwa 60 Jahre alt und Chemikerin. Sie sagt: „Wenn ich den Tieren in die Augen schaue, dann fühle ich mich ihnen sehr gleich. Ich habe ein Gefühl von ihrer Würde.“ Sie zeigt das Foto von einem Jungbullen hinter Gittern auf einem Transporter.

Christian ist Ende 20 und Neurobiologe. Er meint: „Der Mensch muss akzeptieren, dass Tiere Rechte und Ansprüche haben und nicht einfach so als Ressource zur Verfügung stehen.“ Die elf Menschen auf dem Marktplatz leiden mit den Tieren und wollen den Tieren eine Stimme geben. Sie gehören zur Tierschutz-Organisation Animals` Angels.

Ich bin durch Zufall auf die Internetseite von Animals` Angels gestoßen. Es hat mich sehr bewegt. Es hat mir wieder einmal gezeigt, was die sogenannten „Nutz“-tiere so durchmachen. Bis ein Schwein in die Wurst kommt, hat es oft einen langen Weg hinter sich. „Schlacht“-Ferkel zum Beispiel werden von Deutschland nach Sardinien gebracht. Das bedeutet knapp 50 Stunden eingepfercht im Viehtransporter.

Auch Kälber werden regelmäßig Tausende Kilometer quer durch Europa transportiert. Dabei können die Kälbchen unterwegs gar nicht ernährt werden, da sie noch auf Muttermilch angewiesen sind. Sie sind oft erst zwei Wochen alt. Die Leute von Animals` Angels protestieren dagegen. Sie gehen auf Schlachthöfe und Tiermärkte, begleiten Tiertransporte quer durch Europa und versuchen, den Tieren etwas Linderung zu bringen. Sie machen Fotos und dokumentieren. Manchmal holen sie die Polizei. Die Teams von Animals` Angels wissen, dass sie nicht verhindern können, dass die Tiere geschlachtet werden. Aber sie drängen darauf, dass die Vorschriften eingehalten werden. Die Tiere brauchen genügend Wasser und Futter. Sie haben Anspruch auf genügend Platz und Ruhezeiten während des Transports.

Animals` Angels wollen erreichen, dass die Langstreckentransporte ganz abgeschafft werden. Die Gründerin von Animals` Angels, Christa Blanke, kam auf die Idee, eine Internetseite für diese Tiere zu schalten. Dort findet man Fotos von Tieren, die bei Viehtransporten gestorben sind: Esel und Gänse, Pferde, Schweine und Kälber. Die jungen Kälbchen Mohrle und Darling zum Beispiel schauen einen mit großen Augen an. In der Überschrift zur Seite heißt es: „Wir geben den Tieren Namen und glauben, dass ihre echten Namen im Himmel bekannt sind.“

Animals` Angels heißt zu Deutsch Engel der Tiere. In der Bibel kommen Engel dort ins Spiel, wo Gott sich selbst zu Wort meldet und Botschaften sendet. Die Mitarbeiter von Animals` Angels sind keine Engel mit Flügeln und goldenem Haar. Es sind ganz normale Menschen. Natürlich haben sie auch ein bisschen Angst, belächelt oder angegriffen zu werden, wenn sie sich für die Tiere einsetzen. Ich bewundere ihren Mut. Sie tun den Mund auf für die, die in unserer Gesellschaft keine Stimme und keinen Namen haben. Ich glaube, die Leute von Animals` Angels sind tatsächlich in „göttlicher Mission“ unterwegs. Ich bin froh, dass es diese Engel gibt. Sie erinnern mich an die Würde der Tiere.

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