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Nach dem Crash
Walter Sparr/Pixabay

Nach dem Crash

Rüdiger Kohl
Ein Beitrag von

Rüdiger Kohl,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt-Bockenheim
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Sophia Flörsch hat einen großen Traum: Eines Tages will sie die erste Frau in der Formel 1 sein.  Dafür riskiert sie viel. Im letzten Jahr überlebte die 18-Jährige einen furchtbaren Unfall.

Es war am 18. November 2018. Sophia Flörsch startet beim Formel 3-Rennen in Macau in China. Sophias Lieblingsstrecke. Der Parcours geht  mitten durch die Stadt mit berüchtigten Kurven. Sie beschleunigt auf 270 Stundenkilometer. Und dann passiert es: Ein Fahrer vor ihr bremst plötzlich ab. Auch Sophia Flörsch versucht zu bremsen. Zu spät. Der Wagen hebt ab, durchbricht den Fangzaun und knallt mit voller Wucht gegen einen Turm am Rand der Strecke.

In der Klinik erfährt Sophia Flörsch: Ihr siebter Halswirbel ist gebrochen. Sie muss operiert werden. Wenn es schief geht, wird sie gelähmt bleiben. So liegt Sophia Flörsch da und wartet auf die Operation.

Wenn ich mir Sophia Flörsch in ihren bangen Stunden vorstelle, sehe ich nicht die Rennfahrerin. Sondern einen Menschen, der erlebt: Eben war noch alles in Ordnung, und jetzt bin ich aus der Kurve geflogen. Das, was mich sonst stark macht, hat nicht ausgereicht, um den Crash zu verhindern. Jetzt kann ich nichts mehr tun. Außer hoffen und beten.

Sophia Flörsch erzählt später, dass sie wusste: Ihre Eltern sind an ihrer Seite, egal, wie die Geschichte ausgeht. Das hat ihr geholfen, in ihren dunklen Stunden die Hoffnung nicht zu verlieren. So unbedingt wie die Eltern hinter Sophia Flörsch stehen, stelle ich mir Gottes Haltung vor. Ich vertraue darauf: Gott steht hinter mir, auch dann, wenn ich mir meine schwierige Situation selbst eingebrockt habe.

Elf Stunden lang wird Sophia Flörsch operiert. Danach berührte der Arzt ihr Bein und fragte: „Spüren Sie das?“ Ja, hat sie geantwortet. Die Operation war erfolgreich. Schon am siebten Tag nach der OP steht Sophia auf. Sie kann gehen. Nur drei Monate später fährt sie wieder Rennen.

Die Geschichte von Sophia Flörsch fordert mich heraus. Ich kann Autorennen nichts abgewinnen. Ökologisch sind sie kaum zu vertreten. Ich hätte vielleicht auch erwartet: Wer so einen schlimmen Unfall erlebt, setzt sich nie mehr in ein Rennauto. Doch genau das tut sie. Ich verstehe: Sophia Flörsch hat etwas gefunden, was sie wirklich glücklich macht. Und dafür kämpft sie. Mir imponiert, wenn sie sagt: „Ich will mich von diesem Unfall nicht unterkriegen lassen.“

Ich glaube, dafür braucht man viel eigene innere Kraft. Aber das schafft man nicht ganz alleine. Dafür braucht man Rückhalt. Von Menschen, die hinter einem stehen. Ich brauche dafür auch den Rückhalt, den ich in meinem Glauben an Gott finde.

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