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Léo Ferré - Sänger der Revolte

Léo Ferré - Sänger der Revolte

Christoph Wildfang
Ein Beitrag von

Christoph Wildfang,

Evangelischer Pfarrer, Arnoldshain

Als Jugendlicher hatte ich eine Schallplatte von Léo Ferré. Ein französischer Komponist und Chansonnier. Mit Power. Schon auf dem Cover ein alter wilder Mann mit einer weißen wirren Haarmähne. Und dann sang er seine Lieder mit Wut im Bauch, mit Worten, die ich erst mal im Wörterbuch nachgucken musste. Und manchmal standen sie nicht mal drin. Léo Ferré galt nach 1968 als Anarchist des französischen Chansons. Verwegen.

Krass in der Wortwahl. Schleuderte er seine Kritik am Establishment heraus. Heute vor 100 Jahren wurde er geboren. Er starb 1993. Ein Lied auf meiner einzigen Léo Ferré-Schallplatte hatte es mir besonders angetan: „La Solitude“. Die Einsamkeit. Als Heranwachsender konnte ich das gut verstehen. Erstes Verliebtsein. Versuche. Ein bisschen Glück und dann Trennung, Liebeskummer und wieder Phasen von Einsamkeit. Trotz Clique und Verein. Tief im Inneren. Ferré singt von dem Schönen in seinem Leben, aber dann – trotzdem: „Mais – La Solitude!“ Aber – die Einsamkeit.

Am Ende des Liedes schreit er es heraus. Mit einem ganz langgezogenen „Solituuuuude“. Das habe ich in melancholischen Phasen meiner Jugend dann oft und laut gehört. Wie ein Ruf. Gut irgendwie, dass es auf Französisch war. Für mich verständlich. Aber nicht für alle um mich herum. Einsamkeit ist ein Thema im Leben. Ob Menschen geglückte Beziehungen haben oder nicht. Erfolgreich oder nicht. Mitten unter Leuten – oder allein im Krankenbett.

Es gibt Phasen im Leben, da ist jeder einsam. Zuletzt am Ende meiner Tage. Keiner kann mitsterben. Keiner sollte es. Es gibt immer Zeiten im Leben, wo ich quasi mutterseelenallein und einsam bin. Es ist das Gefühl, etwas alleine durchstehen, durchleiden zu müssen. Was mir dann hilft, ist der Glaube. Dass trotz einsamen Erlebens Gott dabei ist. In der Tiefe bin ich gehalten, umfasst, umschlungen. Niemals ganz einsam. Sondern mit Gott. Und eines Tages bei ihm.

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