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Jüdisches Welterbe am Rhein
Foto: pixabay / hurk

Jüdisches Welterbe am Rhein

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt
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Heute vor vier Wochen gab‘s am Rhein etwas zu feiern: Die SchUM-Städte wurden Welterbe. Speyer, Worms und Mainz wurden von den Vereinten Nationen ausgezeichnet für ihr reiches jüdisches Kulturerbe. SchUM, das setzt sich zusammen aus den hebräischen Anfangsbuchstaben der drei Städte. Ich hab mich sehr über diese Welterbe-Auszeichnung gefreut. In den letzten Jahren ist mir die jüdische Tradition bei uns in Deutschland immer wichtiger geworden. Ich interessiere mich dafür, wo Synagogen standen, welche großen jüdischen Gelehrten es gab, gerade zum Beispiel in Mainz.

Was das Judentum in unserem Land ausmacht

Es klingt vielleicht ein bisschen seltsam, aber: In meiner Jugend in den 80ern hab ich das Judentum fast nur mit den Bildern von der Schoah verbunden, mit der Vernichtung der europäischen Juden in den Konzentrationslagern von Nazi-Deutschland. Und natürlich ist das auch die schlimmste Katastrophe des Judentums, und als Deutsche fühl ich mich besonders verantwortlich dafür, dass so etwas nie wieder passiert. Aber ich glaube: Dafür ist es eben auch wichtig zu wissen, was das Judentum in unserem Land ausmacht, was vor 1933 war. Ein riesiger Schatz an Architektur und Literatur, Philosophie und Musik stammt aus dem Judentum. Jüdinnen und Juden haben unser Land entscheidend mitgeprägt. Ich hab das Gefühl: Darüber weiß ich bis heute zu wenig.

Seit 1700 Jahren sind Jüdinnen und Juden in Deutschland

Die Auszeichnung der SchUM-Städte als Welterbe ist für mich Chance und Motivation, die jüdische Tradition in Deutschland und am Rhein noch besser kennenzulernen. Dazu kommt ja auch noch, dass wir 2021 ein Jubiläum feiern: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Seit der Erwähnung in einem Edikt Kaiser Konstantins aus dem Jahr 321 ist verbürgt, dass es Jüdinnen und Juden in Deutschland gibt. So lange schon sind sie ein Teil unserer Geschichte.

Die jüdischen Wurzeln des Christentums wahrnehmen

Und als Christin wird mir auch immer stärker bewusst, wie wichtig die jüdischen Wurzeln meines Glaubens sind. Feiertage, Feste: So viel geht auf das Judentum zurück, so ähnlich sind sich unsere Religionen in vielem. Jesus war Jude. Er ist nicht in die Kirche gegangen, sondern in die Synagoge, und in der Synagoge hat er die Menschen oft gelehrt. Die Psalmen waren ihm vertraut – wenn ich sie heute bete, denk ich oft ganz bewusst an unsere jüdischen Wurzeln. Zu den Fest- und Wallfahrtstagen ist Jesus aus Galiläa hinauf nach Jerusalem gezogen. Jesus feierte nicht Ostern, Pfingsten und Erntedank, sondern Pessach, Schawuot und Sukkot.

Sie haben uns viel vererbt für Kultur und Religion

Heute in zwei Wochen steht auch ein jüdisches Fest im Kalender: Am 7. und 8. September ist Rosch Ha-Schanah, das jüdische Neujahrsfest. Rosch klingt ein bisschen wie Rutsch: einen guten Rutsch können wir unseren jüdischen Nachbarn dann wünschen. Wir verdanken ihnen viel an kulturellem und religiösem Erbe.

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