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Interkulturelle Woche
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Interkulturelle Woche

Pater Andreas Meyer
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Pater Andreas Meyer

Gestern hat die Interkulturelle Woche begonnen, die bis zum kommenden Samstag geht. „Vielfalt verbindet“ steht als Überschrift über dieser Woche. Ich bleibe an dem Motto hängen und frage mich: „Verbindet mich die Vielfalt mit anderen Leuten?“ Ja, ich denke schon. Mich haben andere Menschen immer neugierig gemacht. Ich wollte wissen, woher sie kommen, welchen Beruf sie gelernt haben. Wenn wir uns mehr kennengelernt haben, dann haben wir fast automatisch auch darüber gesprochen, was uns wichtig ist, worauf wir besonders achten im Leben und was wir glauben.

Als Klinikseelsorger frage ich immer: „Wo sind Sie daheim?“ Dabei geht es mir natürlich als erstes um den Ort, wo die Menschen leben. Manche antworten aber auch: „Zuhause bin ich jetzt in (und dann nennen sie ihren Wohnort), aber daheim bin ich woanders (und dann nennen sie ihren Geburtsort).“ Und schon sind wir bei dem, was wichtig ist. Solche Begegnungen bereichern mich.

Ich erlebe aber auch, dass Vielfalt Angst machen kann. Menschen haben Angst vor fremden Lebensweisen und Einstellungen, die sie nicht kennen. Ich habe den Eindruck, da steckt die Befürchtung dahinter, im eigenen Leben etwas verändern zu müssen. Aber eigentlich ist doch das Gegenteil der Fall.

Die großen christlichen Kirchen haben die Interkulturelle Woche angestoßen. Und sie gibt es schon seit 1998. Jedes Jahr gibt es viele Projekte, die Menschen zusammen bringen. Manche gestalten etwas, malen zum Beispiel alte Stühle bunt an und verkaufen sie dann. Damit wollen sie ein Zeichen setzen, dass das Leben bunt ist. Immer geht es dabei auch darum, miteinander ins Gespräch zu kommen und vom Leben der anderen zu erfahren.

Ein Projekt hat mich ganz besonders begeistert. Das heißt „Lebende Bibliothek“. Da sind Menschen bereit, in einem geschützten Rahmen mit einem anderen ins Gespräch zu kommen. Der darf ihn dann fragen, was ihm wichtig ist in seinem Leben, was er erlebt hat, was ihm schwer fällt. Ein Afrikaner spricht darüber, warum er aus seiner Heimat geflohen ist und was er auf der Flucht erlebt hat. Ein buddhistischer Mönch spricht über seine Entscheidung zu diesem Lebensstil.

Die Gespräche sind wie das Lesen in einem spannenden Buch. Nur dass es lebendige Bücher sind. So erfahren alle Gesprächspartner: Vielfalt ist viel wert, und sie bereichert unschätzbar.

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