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hr2 Christmette live aus Gießen, Sankt Bonifatius

hr2 Christmette live aus Gießen, Sankt Bonifatius

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt
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Katholische Christmette am 24. Dezember 2020, 22.15 – 23.15 Uhr,
live in hr2-kultur
aus der Pfarrkirche Sankt Bonifatius in Gießen

Liedblatt: hier im Anhang

Liturgie und Predigt: Dekan Hans-Joachim Wahl

Musikalische Mitwirkende:

Sopran:    Nicole Tamburro
Alt:           Michaela Wehrum
Tenor (und Kantorengesang): Christian Richter
Bass:       Vito Tamburro

Harfe:       Cordula Poos
Violinen:   Ariane Köster / Iris Eichhorn
Viola:       Anette Blecher
Cello:       Astrid Eichhorn
Kontrabass: Stefan Schreiber

Chororgel : Sebastian Seibert
Große („Eule“-) Orgel: Nicolo Sokoli

Musikalische Leitung: Regionalkantor Michael Gilles

Kirchliche Redaktion: Beate Hirt, Senderbeauftragte der kath. Kirche beim hr

Digitale Kollekte: www.weihnachtskollekten.de

Pfarrei Sankt Bonifatius, Gießenwww.bonifatius-giessen.de

Predigt:

Liebe Schwestern und Brüder hier in St. Bonifatius, liebe Hörerinnen und Hörer von hr2-kultur am Radio und im Internet,

an diesem Weihnachtsfest ist alles anders. Es gab keine Weihnachtsmärkte in den Städten, keine Adventsfeiern oder Basare in unseren Gemeinden. Es gab und gibt Beschränkungen.

Viele werden in diesem Jahr größere Sorgen haben als sonst, weil sie liebe Menschen nicht besuchen können oder weil sie schwer arbeiten müssen: etwa in der Alten– und Krankenpflege oder in den Rettungsdiensten. Viele sind einfach traurig dieses Jahr an Heiligabend, weil sie in kleinerem Kreis feiern als sonst, vielleicht sogar ganz allein. Andere sind ohne festen Wohnsitz oder auf der Flucht, oder sie können jetzt nicht arbeiten, obwohl sie das für ihr Leben dringend brauchen.

Dass diese Welt nicht heil ist, erfahren wir Tag für Tag. Daran ändert auch Weihnachten nicht viel.   Lieblose Gedanken werden zu verletzenden Reden und manchmal auch zu erschreckenden Taten: denken wir nur an häusliche Gewalt oder an die wahnsinnige Amokfahrt in Trier. Auch in unserer Nähe gibt es Menschen, die unvermittelt in Trauer gestürzt worden sind, weil kürzlich ein lieber Mensch an oder mit Corona verstorben ist.

Wie sollen wir da noch ordentlich Weihnachten feiern können?

Wir in St. Bonifatius wissen uns mit Ihnen verbunden, wo immer Sie uns auch hören mögen. Wir schauen miteinander über die Musik, die vertrauten Lieder und die Worte der Bibel auf die Botschaft der Heiligen Nacht 2020. Die bleibt nämlich gleich. Schon der Prophet Jesaja sagt es Jahrhunderte vor der Geburt Jesu voraus.

Bei der Geburt Jesu selbst verkündet der Engel auf den Feldern von Betlehem den Hirten die Botschaft dieser Heiligen Nacht und spricht von der Freude, die alle erfahren sollen.

Gott lässt sich von keinem noch so schlimmen Horror-Szenario abschrecken. Im Kind in der Krippe wird er einer von uns. Mich berührt das gerade in diesen belasteten Corona-Zeiten. Und es tröstet mich. Es sagt mir: diese Welt ist nicht verloren und ein Ort des Schreckens. Gott schaut nicht weg, und er lässt uns nicht allein. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht: Der Stall von Betlehem, diese Welt ist ein Ort der Nähe Gottes. Dass die Krippe Menschen anzieht, auch wenn sie auf dem Marktplatz steht, das finde ich bemerkenswert.  Jede Krippe sagt uns nämlich: hier gibt es eine Antwort auf die Sehnsucht nach Frieden, Trost und Freude.

Wie hoffnungsvoll ist das Wort der Engel von der großen Freude, die allen Menschen zuteilwerden soll, wie ermutigend der Aufruf „Fürchtet euch nicht!“

Es ist tröstlich, dass Gott im Kind von Betlehem in ganz einfache, ärmliche Verhältnisse kommt. Das vergessen wir ja manchmal, wenn wir im warmen Wohnzimmer sitzen und den holden Knaben im lockigen Haar besingen:  Im Stall von Betlehem war es ganz und gar nicht gemütlich. Dass Gott ausgerechnet da zur Welt kommt, das fordert unsere Menschlichkeit heraus.

Ich lade Sie ein: Schließen Sie für einen Moment die Augen und gehen Sie in Gedanken an die Krippe. Vielleicht denken Sie an Krippendarstellungen, die Ihnen etwas bedeuten.

- Harfen-Musik - 

Die Musik führt nach innen.  Erinnerungen und Menschen sind da. Und die Krippe ist da: der Ort, wo Gott in dieser Nacht zur Welt kommen will. Wenn ich die Krippe in unserer Sankt Bonifatiuskirche betrachte, dann weiß ich: das ist kein Foto von damals; sie weist mich auf die größere Wahrheit hin: Gott will hier zur Welt kommen. Bei uns.

Angelus Silesius, der in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges lebte, sagt einmal:

„Ach könnte nur dein Herz zu einer Krippe werden,
Gott würde noch einmal ein Kind auf dieser Erden.“

Wenn mein Herz zur Krippe wird, wenn ich in meine inneren Weihnachtsbilder betrachte, gebe ich Gott eine Chance, bei mir anzukommen. Gott hat sein Heiligtum im Herzen jedes Menschen.  Da will er wohnen.  

Die äußeren Umstände allein machen es nicht: es wird trotz allem Weihnachten. Gott wird Mensch. So berührter unser Herz, damit wir mit ihm zusammen Mensch sind und unser Leben gestalten.

„Wird Christus tausendmal zu Betlehem geboren
Und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren,“ sagt Angelus Silesius auch.

Pater Anselm Grün lässt den kommenden Gottessohn sagen: „Halte inne! Geh nach innen. Dort im Inneren wirst Du dein wahres Selbst finden. Du kommst bei dir an, bei deinem innersten Kern. Dort, wo du selber bei dir wohnst, will auch ich bei dir wohnen und dich mit Licht und Liebe erfüllen.“ 

Das ist wie bei einer guten Begegnung mit einem anderen Menschen. Wenn die gelingt, dann sind wir auf einmal anders gestimmt als vorher, berührt, erfreut, getröstet.

So geht es den Hirten, die die Botschaft des Engels hören und das Kind in der Krippe sehen. Sie staunen und loben Gott.  Und mit dem Geschenk dieser Begegnung gehen sie neu auf die Welt und auf die Menschen zu. „Fürchtet euch nicht,“ sagt der Engel den Hirten. Und er sagt es uns.

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, das klingt alles sehr fromm und innerlich. Ich bin aber davon überzeugt, dass Weihnachten genau da anfängt. Wenn Sie mehr Fragen als Antworten haben – wenn Sie mehr Schwermut als Freude spüren, weil liebe Menschen nicht da sind – die Botschaft von Weihnachten ist: wir sind geliebt und gerettet. Gott kommt zu uns. Er wird Mensch und teilt unser Leben - buchstäblich mit allem, was dazugehört. Er lässt sich in dieser Welt, in unserem Herzen und unter den Menschen finden. In dieser Zuversicht wurzelt die tiefe Freude von Weihnachten. Die möchten wir mit Ihnen teilen. Nicht nur heute Nacht.

 

 

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