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Adam und Eva – und das Kind in der Krippe
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Adam und Eva – und das Kind in der Krippe

Karl Waldeck
Ein Beitrag von

Karl Waldeck,

Direktor Evangelische Akademie, Hofgeismar
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Der 24. Dezember – ein besonderes Datum. Heute ist Heilig Abend – bereits am Morgen. Ein Tag mit Sogwirkung, alles ist auf den heutigen Abend ausgerichtet: Dann beginnt Weihnachten. Für viele ist gerade dieser Abend der Höhepunkt des Weihnachtsfestes, vielleicht sogar des Jahres; die eigentlichen Weihnachtsfeiertage, der 25. und 26. Dezember, sind nur noch ein Après, ein Nachklang.

In den heutigen Gottesdiensten, Krippenspielen, Christvespern und Christmetten steht ein Kind im Mittelpunkt, ein Neugeborenes: Jesus, das Jesuskind. Für den, der glaubt, wird dieses Kind zum Mittelpunkt des Glaubens, zum Grund einer Hoffnung: auf Frieden auf Erden; allen Menschen wird Gottes Wohlgefallen zugesagt. Das Kind in der Krippe ist Inbegriff und Leitbild überschwänglicher, unbegrenzter Liebe.

„Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“, so fragt der Beter des 8. Psalms. Er erwartet eine Antwort von Gott; doch Beten ist zugleich immer ein Nachdenken über sich selbst. Zu Weihnachten ist das nicht anders. Mensch und Weihnacht: Es liegt nahe, zuerst an die Heilige Familie zu denken: an Maria, Josef und das Jesuskind. In der Alten Kirche war der 24. Dezember der Gedenktag an Adam und Eva, dem ersten Menschenpaar. Es geht um den Menschen und um Gott. Der Mensch ist von Gott geschaffen – und zwar gut wie alle Geschöpfe. Gott hatte den Menschen am Anfang in einen paradiesischen Garten hineingesetzt: Der Mensch lebte dort in Harmonie, war eins mit sich, mit seinem Mitmenschen, mit seinem Partner, mit der Natur. Aus diesem Paradies hat sich der Mensch durch eigenes Zutun grob fahrlässig oder vorsätzlich herauskapituliert, berichtet die Bibel. Soviel ist sicher: Wir leben Jenseits von Eden. Unser Glück ist zumindest zerbrechlich; die Krisen in Nah und Fern unübersehbar – gerade am Weihnachtsfest werden sie schmerzlich erfahren – gerade als Kontrast zur Botschaft der Heiligen Nacht: „Frieden auf Erden.“
Der Heilige Abend ist der Gedenktag an Adam und Eva, des ersten Menschenpaares und zugleich der Neuanfang Gottes mit dem Menschen. Am Abend dieses Tages, in der Nacht wird ein Kind geboren, ein kleiner, neuer Mensch: „Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein; er liegt dort elend, nackt und bloß – in einem Krippelein“ heißt es anschaulich in einem alten Weihnachtslied. „Nackt und bloß“ – so wie jeder Mensch sein Leben beginnt.

Ein Mensch – ein neuer Mensch wird heute geboren. Daran erinnert das Weihnachtsfest. Weihnachten ist Gottes Neuanfang mit dem Menschen. Das ist ein Signal und eine Ermutigung: Jedem Mensch, ja der Menschheitsfamilie als ganzer ist es nach Gottes Wille möglich, neu anzufangen – und das nicht nur zur Weihnachtszeit.
Ich wünsche Ihnen einen guten letzten Adventstag und ‒ wenn es heute Abend soweit ist – ein gesegnetes, frohes Weihnachtsfest.

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