Ihr Suchbegriff
Beitrag anhören:
1844 – Das erste Morse-Telegramm
Bild: anSICHThoch3 auf Pixabay

1844 – Das erste Morse-Telegramm

Prof. Dr. Markus Tomberg
Ein Beitrag von

Prof. Dr. Markus Tomberg,

Professor für Religionspädagogik, Fulda und Marburg
Beitrag anhören:

„Was hat Gott getan?“ Es waren bedeutungsschwere Worte, heute vor 175 Jahren. Am 24. Mai 1844 verschickte Samuel Morse das erste Telegramm. Sein Inhalt: ein Satz aus der Bibel. Die Entfernung zwischen Washington und Baltimore, ungefähr 100 km, überwindet der in weniger als einem Augenblick. Für berittene Kuriere war das ungefähr eine Tagesreise. Eine epochale Erfindung.

„Was hat Gott getan?“ Der Text stammt aus einer wirklich seltsamen Geschichte in der Bibel (Num 23,23). Es ist die Erzählung von Bileam. Sein König fordert Bileam auf, die heranziehenden Israeliten zu verfluchen. Kein anderes Mittel scheint mehr möglich, die Fremden von Plünderungen und Gewalt abzuhalten. Der Fluch ist die stärkste aller Waffen.
Bileam galt als gottesmächtiger Mann. Sein Wort und sein Fluch hatten Gewicht. Gegen ihn, so glaubte der König, hätten die Israeliten keine Chance.

Aber es kommt anders. Bileam bereitet sich auf den Fluch vor. Aber immer, wenn er den Mund öffnet, erklingen merkwürdige Reden. Kein Fluch, sondern Segensworte. Wieder und wieder. „Was hat Gott getan?“ Bileam fragt sich das. Sind das alles seine Worte?
Eine eigenartige Botschaft, die Morse telegraphiert. Vielleicht will er andeuten: Elektrizität und Geschwindigkeit, beides damals neu und ungewohnt, fremd und möglicherweise gefährlich, sind keine Hexerei. Kein Fluch, sondern ein Segen. Ein Gottesgeschenk.

Oder doch nicht? Bileams Geschichte endet in der Bibel mit seinem gewaltsamen Tod. Die Israeliten, die er gesegnet hat, töten ihn im Krieg. Für ihn selbst wird Segen zum Fluch. Es ist eben eine seltsame Geschichte, auf die Morse sich bezieht.
Genau wie seine Erfindung. Inzwischen hat das Internet Telegrammdienste und Morsealphabet abgelöst. Das Kommunikationstempo ist noch schneller geworden. Die Netze rasen – auch im übertragenen Sinne. Segen und Fluch – nicht immer unterscheidbar.

Was hat Gott da nur gemacht, mag mancher fragen, der da nicht mehr mithalten kann. Was hat er getan? Bileam würde sagen: Er segnet. Aber was daraus wird, das entscheiden, das tun Menschen.

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren