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Den Drachen bezwingen
Bildquelle Pixabay

Den Drachen bezwingen

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt

Drachentöter wird er genannt, der Heilige, der heute im Kalender steht: der heilige Georg. Es gibt viele Bilder, die ihn zeigen, wie er mit einem Speer in der Hand den Drachen bezwingt. Die Geschichte stammt aus einer Heiligenlegende, aber sie könnte genauso aus einem Ritterroman oder Märchen oder Fantasyfilm stammen: Ein wilder Drache bedroht eine Stadt. Er fordert von den Menschen: Gebt mir eine junge Frau als Opfer, dann lass ich euch in Ruhe. Und der heilige Georg kommt, stellt sich mutig gegen das wilde Tier, tötet den Drachen und rettet damit die Frau und die Stadt.

Drachen bezwingen: Das ist was für Helden. Oder auch Heldinnen. Es gibt auch heilige Frauen, die Drachen bezwingen, die heilige Margareta zum Beispiel. Aber für ganz normale Menschen ist es wohl weniger was: einen Drachen töten. Ganz abgesehen davon, dass es Drachen natürlich sowieso nicht wirklich gibt. Und trotzdem faszinieren sie, diese Geschichten. Von Heiligen, Rittern und Fantasyhelden, die den Drachen besiegen. Bis heute. Es scheint in ihnen etwas zu stecken, was Menschen zu allen Zeiten beeindruckt hat. Was vielleicht auch Sehnsucht ausgelöst hat. Da ist jemand mutig. Stellt sich dem Bösen entgegen. Und besiegt es.

Drachen, vor denen ich Angst habe und die ich gerne besiegen würde: Die kenne ich heute auch. Manchmal sind das Menschen, die mir Angst machen oder die mir nicht gut tun. Manchmal sind es Aufgaben, die wie ein Berg vor mir stehen und bei denen ich denke: Die kann ich einfach nicht bezwingen. Statt mich mutig den Aufgaben oder den Menschen zu stellen, bin ich dann manchmal wie gelähmt. Ich kann nicht kämpfen. Ich trete stattdessen den Rückzug an und verkrieche mich.

Am frühen Morgen ist das bei mir mit den Drachen besonders schwierig. Erst recht am Montag. Beim Aufwachen bauen sich die Drachen manchmal richtig vor mir auf und machen es mir schwer, aus dem Bett zu kommen. Da ist das Motto dann eher: unter der Bettdecke verkriechen statt kämpfen.

Heute, am Tag des Drachentöters Georg, will ich mich aber wieder einmal zum Kämpfen ermutigen lassen. Vielleicht mit einem kleinen Bittgebet auf den Lippen: Heiliger Georg, mach mich mutig! Gib mir die Kraft, Menschen ehrlich entgegen zu treten und sie zu kritisieren, wo es nötig ist! Gib mir Energie, damit ich meine Aufgaben heute mutig angehen kann! Ohne mich von ihnen verschlingen zu lassen. Heiliger Georg, lass mich meine Drachen bezwingen!

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