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Veränderung beginnt bei mir
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Veränderung beginnt bei mir

Uwe Groß
Ein Beitrag von

Uwe Groß,

Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden
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„Du musst selbst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen willst!“ Dieses Zitat von Mahatma Gandhi geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe es vor ein paar Wochen - beim Tag der Deutschen Einheit - zum ersten Mal in einem Fernsehgottesdienst gehört, und es hat mich berührt. Vielleicht auch deswegen, weil es auch meiner Erfahrung entspricht: Wie oft mache ich die Erfahrung: Ich kann die Welt mit ihren vielen und großen Problemen nicht retten. Ich kann aber sehr wohl Einfluss auf die Dinge um mich herum nehmen. Mir ist es zum Beispiel wichtig, dass mein zehnjähriger Sohn und seine Freunde eine Kirche erleben, die nicht langweilig und tot ist. Also habe ich mit anderen Vätern und Müttern über viele Jahre spielerische Kindergottesdienste gemacht, in denen die Kinder erleben konnten: Christlicher Glaube macht Spaß. Wir haben ein Zeltlager für Familien auf die Beine gestellt, dass wir Jahr für Jahr in den Sommerferien durchführen und das uns allen, den Eltern und Kindern zeigt, wie schön Gemeinschaft sein kann. Das war mir einfach wichtig, und darum habe ich es mit anderen gemacht.

Mich selbst zurücknehmen, damit der andere auf mich zugehen kann

„Du musst selbst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen willst“. Diesen Satz von Gandhi habe ich aber auch schon anders erlebt. Wenn ich zum Beispiel im Streit mit jemandem liege, dann kann meine Reaktion eine positive Veränderung hervorrufen. Ich versuche dann, den anderen mit seinen Beweggründen und seiner anderen Meinung zu verstehen und nicht auf dem Standpunkt zu sein, dass nur ich weiß, was richtig. Das gelingt mir auch nicht immer, aber das hat schon ganz schön oft zur Befriedung einer Streitsituation beigetragen: den anderen einfach zu sehen in dem, was ihn bewegt, und wirklich wahrzunehmen, was seine Gründe sind. Wenn ich will, dass Menschen friedlicher miteinander umgehen, dann muss ich damit beginnen, friedlicher mit den Menschen um mich herum umzugehen.

Nur ich kann eine Veränderung in meinem Leben vornehmen

„Du musst selbst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen willst“. Ich bin der Meinung, dass wir einen anderen Umgang mit Nutztieren entwickeln müssen. Käfighaltung von Hühnern, randvolle Schweineställe mit eingepferchten Tieren, die mit billigem Futter und Medikamenten vollgepumpt werden und nie das Tageslicht sehen, Tiere die zwecks Abschlachtung durch halb Europa unter schlimmen Bedingungen gekarrt werden, Rinder die in Schlachthöfen misshandelt werden: Das alles will ich nicht. Ich möchte eine andere Landwirtschaft, die dem Tier ein natürliches und artgerechtes Leben ermöglicht. Dafür muss ich an der Fleischtheke auch bezahlen. Aber alles beginnt mit mir, wenn ich das Billigfleisch nicht mehr kaufe und vielleicht auch weniger Fleisch esse.

„Du musst selbst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen willst“. Genauso ist es mit der Frage beim Klimaschutz, ob ich Bahnfahre oder Kurzstreckenflüge buche. Es liegt an mir, und ich kann den Unterschied machen.

Alles fängt damit an, dass ich das tue, was nur ich tun kann, nämlich eine Veränderung in meinem Leben vorzunehmen.

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