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Carmen Jelinek
Ein Beitrag von Carmen Jelinek, Evangelische Dekanin, Kirchenkreis Kaufungen

Ein Freund gab zu, dass er ein ziemlich fauler Schüler war. Trotzdem kriegte er immer gute Noten, weil er eine einfache Strategie beherrschte. Er konnte so hochtrabend formulieren, dass er seine Lehrer beeindruckte. Heute vermutet er, dass kaum jemand verstand, was er schrieb, aber das niemals zugegeben hätte. So bekam er mit großer Verlässlichkeit eine Eins auf viele Klassenarbeiten.

Seine gebildete Sprache hat er von zu Hause mitbekommen. 

Als er später in England studierte, schrieb ein Professor unter seine Klausur: „Du scheinst ja hell im Kopf zu sein. Aber von dem, was Du da schreibst, verstehe ich kein Wort.“ Von da an musste er sich „so unverblümt wie möglich“ ausdrücken: kurze Sätze, einfache Worte, klare Zusammenhänge.

Mit der Zeit fand er selbst heraus: Wenn ich einen Gedanken nicht auf einfache Weise ausdrücken kann, ist dieser nicht besonders tiefgründig oder originell. Im Gegenteil, ich habe ihn dann selbst noch nicht gut genug verstanden. Das ließ ihn noch intensiver nachdenken.

Heute setzt er sich für Klarheit ein. Er wertet unklare, akademische Sätze als intellektuelle Schwäche. Er wünscht sich, dass es eines Tages soweit kommt, dass es Professoren und Studenten peinlich ist, sich so auszudrücken, dass nicht jedermann sie versteht: der Akademiker und der einfache Mensch auf der Straße. 

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie Jesus über Gott spricht. Er sucht keine großen Worte der Theologen oder Philosophen. Er wählt Bilder und Gleichnisse aus dem täglichen Leben, um das Geheimnis Gottes zum Ausdruck zu bringen.

Seine Jünger fragen ihn: Warum verwendest du solche Gleichnisse, wenn du zu den Leuten redest? Jesus antwortete: Damit ich Zugang zu den Menschen bekomme. Sie können mit großen Worten über Gott nichts anfangen.   Ihr versteht vielleicht, was mit Gottes neuer Welt gemeint ist. Aber nicht allen geht es so. Sie können mit großen Worten über Gott nichts anfangen. Manchen fehlt auch die Vorstellung, wie Gott zu Menschen ist. deshalb erzähle ich Geschichten, wie Gottes Liebe unseren Alltag verändern kann.

Ich finde es immer wieder verblüffend, wie es Jesus gelingt, dass Menschen Augen und Ohren aufgehen und sie erkennen wo sie falsch liegen. Durch seine Geschichten können sie Kritik annehmen und sich innerlich wirklich einen großen Schritt weiterentwickeln. 

Auch mir helfen Jesu Vergleiche für das, was er Menschen von Gott zu sagen hat. Er hat eine Sprache gefunden, die zu Herzen geht, in der man sich selbst wiederfinden kann. Ich finde, er ist ein Meister der einfachen Sprache. Um von der Liebe Gottes zu sprechen, genügen offensichtlich wenige, klare Worte.

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