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Mit oder ohne Radiergummi
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Mit oder ohne Radiergummi

Monika Dittmann
Ein Beitrag von

Monika Dittmann,

Katholische Seelsorgerin im Altenheim, Flörsheim am Main
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„Leben ist wie Zeichnen – nur ohne Radiergummi“ – das habe ich vor kurzem auf einem Kalenderblatt gelesen. Erst habe ich lachen müssen. Aber dann hab ich noch mal drüber nachgedacht.

Ich zeichne gerne, nicht alles gelingt, manchmal lasse ich die Linien krumm – aber meistens radiere ich sie dann weg, versuche es neu. Manchmal brauche ich drei Anläufe, bis ich einigermaßen zufrieden bin mit meiner Linienführeng und  den Größenverhältnissen auf meinem Blatt. So manchen Versuch habe ich schon verworfen, bevor ich zufrieden war. Gut, dass ich einen Radiergummi habe. Ohne ihn käme manches nicht so gut auf mein Zeichenblatt. Vieles könnte vor meinen Augen nicht bestehen.

„Leben ist Zeichnen – nur ohne Radiergummi“ – Ja, so ist es. Im normalen Leben ist das anders. Ich kann nicht mehrmals versuchen, es nicht besser machen, wenn ich unzufrieden bin mit dem, was ich da auf die Beine gestellt habe. Manches kann vor meinen eigenen Erwartungen nicht bestehen. Das ärgert mich im Nachhinein. So, wie ich den Tag, die Situation gelebt, gemeistert habe, so bleibt es – auch wenn es unvollkommen und fehlerhaft ist.  Meist gibt es keine zweite Chance. Rückblickend kann ich nicht ausradieren, was war. Alle geraden und auch krummen Lebenslinien müssen so bleiben.

Eine ganz andere Perspektive habe ich vor Gott: Auch, wenn ich keine zweite Chance bekomme, gibt er mir doch einen versöhnlichen Blick auf das, was nicht gut gelaufen ist.

Er akzeptiert meine Fehler und Schwächen, steht zu mir; er straft nicht meine Umwege und all die krummen Linien, die hinter mir liegen. Ich brauche keine Sorge haben, dass ich vor ihm nicht bestehen kann.

Gott ermutigt mich, gnädiger auf das zu schauen, was war und wie ich bin. In der Bibel heißt es ganz häufig: „Gott ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Güte“(Psalm 103,8 / Psalm 86,15 / Psalm 116,6 / Psalm 145,8). Gott vergibt mir und macht mir sogar Mut, vorwärts zu leben, ohne die Last der Vergangenheit mitzuschleppen.  Ich darf zu meinen krummen Wegen stehen, meine Irrwege  annehmen – denn Gott nimmt mich an und vergibt. Sogar das, was ich mir selbst oft nicht vergeben kann.

Gott hat zwar keinen Radiergummi für unseren Lebensweg, aber ein liebendes Herz. Er hilft mir, immer wieder neu anzufangen.

 

 

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