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Johanna Fröhlich
Ein Beitrag von

Johanna Fröhlich,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt am Main
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Wir haben letzte Woche Kirschen gepflückt. Es ist ein tolles Kirschenjahr. Die Äste hängen schwer herunter von den prallen, dunkelroten Früchten. In wenigen Minuten sind unsere Eimer randvoll.

Ein nachbarschaftlicher Handel

Dabei gehören uns die Kirschen gar nicht. Wir dürfen sie pflücken. Der Besitzerin der kleinen Streuobstwiese ist das über die Jahre zu viel geworden. Sie kann sich nicht mehr um die Obstbäume kümmern. Also gibt es diesen nachbarschaftlichen Handel: Wer die Wiese und Bäume pflegt, kann die Früchte ernten. Und hier wächst allerlei: Äpfel, Kirschen, Birnen und Blumen. In diesem Jahr alles im Überfluss.

Keine Zeit zum Ernten

Anderswo sehe ich viel Obst, das nie geerntet wird. Es fällt herunter und verfault. Oft, weil niemand mehr Zeit dafür hat. Keine Zeit zum Ernten, aber auch nicht, um die Früchte zu verarbeiten. Manchen Obstbaumbesitzern ist es auch einfach zu viel Arbeit geworden. Aber was wird aus den Früchten? Es wächst und gedeiht auf vielen Höfen und Wiesen, aber die helfenden Hände fehlen.

Mundraub.org bringt Menschen zusammen

Gleichzeitig gibt es immer mehr junge Menschen, die heimischen Anbau wieder zu schätzen wissen. Aber selten haben sie eigene Bäume. Wie schön, wenn es gelingt, Jung und Alt zusammenzubringen. Das Obst vereint die, die etwas haben, mit denen, die was wollen. Da haben alle etwas davon. Manchmal gelingt es einfach so in der Nachbarschaft. Aber man kann auch nachhelfen: Die Webseite Mundraub.org bringt die Menschen zusammen: Solche, die Obst, Nüsse und Kräuter zum Pflücken frei geben, und die Leute, die danach suchen. Und dieser Mundraub ist sogar ganz legal. Und macht Spaß.

Das Teilen neu entdecken

So habe ich das Teilen wieder neu entdeckt. Ich fühle mich beschenkt. So viele, herrlich süße Kirschen. Da machen wir Kuchen und Saft daraus. Und auf jeden Fall gibt es Kirschkernweitspucken. Und am Ende gibt‘s noch einen Eimer voll für die Nachbarin. Die freut sich dann auch über die geteilten Kirschen.

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