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Ja und Amen
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Ja und Amen

Norbert Mecke
Ein Beitrag von

Norbert Mecke,

Dekan, Evangelischer Kirchenkreis Melsungen
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Teil 1

Die Tür fliegt auf. Mit dem Brief in der Hand kommt sie reingestürmt.
„Sie haben Ja gesagt. Sie haben mich genommen! Ich habe eine Zusage!
Hier: schwarz auf weiß – meine Einstellung mit Stempel!“
Dabei schwenkt sie den Brief wie eine Trophäe über ihrem Kopf hin und her.
Ich freue mich mit. Das will schon etwas heißen, unter so vielen Bewerben ausgewählt worden zu sein! Was für eine Bestätigung!

Szenenwechsel

Er schaut ihr tief in die Augen. Aufregung ist ihm abzuspüren. Das ist jetzt sein Einsatz. Und alle hören sie zu.
„Bis der Tod uns scheidet? Ja, mit Gottes Hilfe!“, sagt er mit fester Stimme.
Er ist sich der Tragweite bewusst. Es ist ein Ja ohne Wenn und Aber, das er seiner Braut verspricht. Und er weiß: Sie wird es auch gleich zu ihm sagen. Kann man Schöneres für sein Leben hören, als dass mich einer rundherum bejaht? Und die Glocken läuten.

Szenenwechsel

Verband am Arm und Pflaster auf der Wange. Mit hängendem Kopf betritt sie die Wohnung: niedergeschlagen wie ein Fußballer, der nach einem Debakel in die Kabine zurückkehrt.
Das noch fast neue Auto der Eltern kaputtgefahren.
Ein Moment Unachtsamkeit und es hat geknallt.
Nein, Nein, Nein! Ach, würde sich doch jetzt der Erdboden auftun und sie verschlucken!
Da spürt sie den Arm, der sich um sie legt. „Komm schon, wir stehen hinter Dir! Wir schaffen das schon gemeinsam!“ Wie gut ihr die Stimme des Vaters tut, auch noch als längst erwachsene Tochter. Sie klingt wie ein großes Ja, in das sie hineinkriechen kann: Salbe auf Schuldgefühle und gebrochenen Selbstwert.

Drei so unterschiedliche Szenen. Die erfolgreiche Bewerberin, das Paar, das sich traut. Die niedergeschlagene Unfallverursacherin – aber jeder von ihnen könnte beschreiben, wie wunderbar sich anfüllt, bejaht zu werden. Da macht sich ein guter Geist im eigenen Herz Raum und streichelt die Seele.

Das haben Sie bestimmt auch schon mal erlebt! Da sieht jemand, was ich draufhabe und bestätigt mich. Oder: Da kennt mich jemand durch und durch und sagt trotzdem „Ja“ zu mir. Ein mittleres Wunder! Erst recht, wenn ich etwas richtig verbockt habe und trotzdem Rückhalt erlebe.

Es ist etwas Besonderes, wenn man sich bejaht weiß!

Teil 2

Es ist etwas Besonderes, wenn man sich bejaht weiß!

Ein neues „Ja“ steht gerade vor der Tür. Sie haben richtig gehört: ein neues „Ja“ – auch wenn freilich das neue Jahr 2019 auch nicht mehr lange auf sich warten lässt. Aber unsere ganze Aufmerksamkeit gilt erstmal dem morgigen Heilig Abend und den Weihnachtsfeiertagen.

Was Weihnachten mit Bejahung zu tun hat?!
Ist doch klasse, wenn sich andere für uns schon länger Gedanken machen, was sie uns schenken. Ein Stück in Form gebrachte Wertschätzung. Ein „Ja-Du-bist-mir wichtig!“

Ist doch ein gutes Zeichen, wenn wir alles schmücken und festlich machen. „Ja, Du sollst Dich wohlfühlen bei mir!“. Und bei manchen steckt das „Ja“ schon im guten alten Ablauf mit dem Weihnachtsessen wie all die Jahre, dem Gottesdienstbesuch und all den kleinen Familientraditionen: „Ja, so gehören wir zusammen!“

Und das größte „Ja“ stellt uns Gott vor die Tür.
„Jesus ist das Ja!“, sagt die Bibel. „Und zwar das „Ja“ auf alles, was Gott versprochen hat“ (2. Kor 1, 20). Mit Jesus wird sichtbar, dass er´s auch hält.

„Ich stehe Dir echt nah!“ – das kann man sich sagen, sicher. Aber wenn der, der´s sagt, bei mir vor der Tür steht und reinkommt, erlebe ich´s. Mit der Geburt von Jesus macht Gott deutlich: „Das ist nicht nur Gerede, wenn ich meine Nähe verspreche! Mir ist tatsächlich kein Dorf zu klein, keine Krippe zu schäbig!“ Wer nach Bethlehem kommt, kennt auch Dreihausen, Knickhagen oder Rohrbach. Wer einen Stall nicht scheut, kann auch bei mir einkehren – aufgeräumt oder unaufgeräumt. Er steht mir nah. Ja. Das sehe ich Weihnachten.

Aus dem Christkind wurde der Mann Jesus. Einer, in dessen Nähe sich andere bejaht fühlen: einfache Leute, „Normalos“ eben, manchmal auch Schlawiner, mit denen er gegessen hat. Keine Berührungsängste. Warum auch? Es ging ihm ja darum, erlebbar zu machen: Keinem ist Gott fern. Weder dem Zufriedenen, noch dem, der den Kopf hängen lässt. Nicht dem, der etwas verbockt hat. „Ich stehe hinter Dir!“. Viele haben erlebt: „Ich bin angenommen! Ich habe die Zusage. Mich will Gott in seinem Team!“

Und an seinem Ende zeigt Jesus, die ganze Tragweite, die es für Gott bedeutet, ohne Wenn und Aber „Ja“ zu seinen Menschen zu sagen. „Bis der Tod uns scheidet? Nein, nicht mal der scheidet uns. Kein „Nein“ kann Gottes „Ja“ durchkreuzen. Er lässt sich ganz auf´s Lieben festnageln.

Jesus ist das Ja auf alles, was Gott versprochen hat. Weihnachten steht dieses „Ja“ vor der Tür.

Es ist etwas Besonderes, wenn man sich bejaht weiß: Balsam für Herz und Seele! Erst Recht, wenn man sich von höchster Stelle bejaht weiß. Himmlisch! Wenn das kein Grund zum Feiern ist?!

Teil 3

Es ist etwas Besonderes, wenn man sich bejaht weiß! Erst Recht, wenn man sich von höchster Stelle bejaht weiß. Wenn das kein Grund zum Feiern ist?!
„Einmal werden wir noch wach, heißa, dann ist Weihnachtstag!“

Das ausgiebige Feiern von Weihnachten zeigt im Grunde genommen: Ich lasse das „Ja“ Gottes nicht draußen vor der Tür. Ich hole es mitten ins Leben hinein. Es steckt mich an. Ich verschenke Wertschätzung weiter. In kleinen Päckchen unterm Baum oder beim Festessen in großen Portionen auf den Tellern. Alle die Kerzen lassen aufleuchten, dass mir ein Licht aufgeht. Und jedem, dem ich „Frohe Weihnachten!“ wünsche, sage ich eigentlich: „Auch Dir gilt das große Ja Gottes! – Ich übersetze es Dir mit meinem Wunsch in kleine Münze.“

Die Bibel beschreibt das so:
„Jesus ist das Ja auf alles, was Gott versprochen hat. Und wir sprechen darauf das Amen, Gott zur Ehre.“

„Ja und Amen!“ Das gehört seitdem sprichwörtlich zusammen.
„Amen“ bedeutet so viel wie „So ist es!“ oder „So soll´s geschehen!“ Kurz: Es ist unsere Antwort auf Gottes Ja zu uns. In diesem Fall ein „Wie Gott mir, so ich Dir!“

Er kommt auf seine Menschen zu. Das will ich auch. Zuvorkommend sein andern gegenüber.
Er macht sich verlässlich. Ja, auch auf mich soll man sich verlassen können.
Er setzt auf die Liebe. So sei es: Auf dieses Pferd will ich auch setzen und es mir von keinem madigmachen lassen. Ob dieses Weihnachten das Fest der Liebe wird, ist vielleicht weniger entscheidend als die Frage, ob mein Leben insgesamt Liebe als Grundhaltung hat.
Wie Gott mir, so ich Dir!

Mit der Weihnachtsgeschichte haben wir´s schwarz auf weiß: Gott will uns in seinem Team.
Mit dem Kind von Bethlehem schaut er uns tief in die Augen. Jetzt ist unser Einsatz gefragt:
Man kann sein „Amen“ heute oder in den nächsten Tagen im Gottesdienst sagen. Mehr noch entscheidet sich allerdings im Alltag, ob wir zur Ehre Gottes leben. Hört sich gewaltig an. Beginnt aber mit Kleinigkeiten: Einem schön gedeckten Tisch, mit Gastfreundschaft oder einer liebevollen Aufmerksamkeit. Oder einem ermutigenden: „Wir schaffen das miteinander!“ – manchmal müsste vielleicht gar nicht mehr auf einer Weihnachtskarte stehen.

Da verschafft sich ein guter Geist Raum und streichelt Seelen.

Morgen, Kinder, kann´s das geben!
Einmal werden wir noch wach? Nein, jeden Tag werden wir dafür wach:
Für unser: „So ist es: Wie Gott mir, so ich Dir!“

Ja und Amen.

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