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Herbstanfang
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Herbstanfang

Prof. Dr. Markus Tomberg
Ein Beitrag von Prof. Dr. Markus Tomberg, Professor für Religionspädagogik, Fulda und Marburg
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Heute geht’s los. Um kurz vor zehn, ganz genau um 9.50, beginnt kalendarisch der Herbst. Das Wetter war in den letzten Tagen ja schon mal herbstlich, heute zieht die Sonne nach und überschreitet den sogenannten Himmelsäquator: Tag und Nacht sind heute gleich lang.
Damit beginnt allmählich die dunkle Jahreszeit: Erntedank steht vor der Tür, es wird Zeit für die Winterreifen und den Beleuchtungscheck am Auto. Es ist Zeit, dafür einen Termin einzuplanen.
Einen anderen Termin haben knapp 70 Männer aus der katholischen Kirche bereits heute im Kalender stehen. In Fulda beginnt die traditionelle Herbsttagung der deutschen Bischofskonferenz. Herbstanfang und Konferenzbeginn: In diesem Jahr passt da kein Blatt dazwischen.
Und was für eine Symbolik: Denn herbstlich geht es auch in der Kirche zu. Die Mitgliederzahlen schrumpfen. Die Ernte, nein: die Einnahmen sind gut, aber es kriselt allerorten. Zukunftstermine sind gemacht. Aber trotzdem werden viele den Eindruck nicht los: Der Kirche steht eine dunkle Zeit bevor.
Da ist die Sache mit der sexualisierten Gewalt: Neue Studien zeigen, dass die Präventionsmaßnahmen, eigentlich vorbildlich auch für Institutionen außerhalb der Kirche, nicht so recht zünden. Immer noch gibt es Übergriffe, und davon, wenn man das überhaupt so sagen kann, viel zu viel. Immer noch ist das Verhältnis zwischen Amtsträgern, zwischen Klerikern und den anderen, den sogenannten Laien, vielerorts schwierig, freundlich ausgedrückt. Und dann die Frauen: Die schmeißen den Laden – und kommen da nicht vor, wo die relevanten Entscheidungen getroffen werden. Partizipation und Miteinander funktionieren nicht. Die Bischöfe haben viel zu besprechen in Fulda in diesen Tagen. Dem Vernehmen nach ist aber auch der Dialog untereinander, sagen wir, oftmals schwierig.
Da hilft der Blick in die Jahreszeit: Auf den Herbstbeginn folgt kalendarisch und sehr zuverlässig irgendwann auch wieder der Frühling. Der religiöse Kalender weiß: Da kommt Ostern. Das Fest der Auferstehung, des Neubeginns schlechthin. Darin steckt eine Botschaft: Für die Kirche – und für jeden von uns!

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