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Bild: Republica/Pixabay

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Andrea Wöllenstein
Ein Beitrag von

Andrea Wöllenstein,

Pfarrerin im Referat Erwachsenenbildung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Marburg
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Vor Weihachten, als der harte Lockdown begonnen hat, habe ich mir eine Karte wieder vorgeholt. Sie begleitet mich seit langem. "Wenn Gott dir eine Tür zuschlägt, öffnet er dir ein Fenster." Dieser Satz hat mich schon oft getröstet und mir neue Zuversicht geschenkt. Als eine langjährige Freundschaft zerbrochen ist. Als sich berufliche Pläne zerschlagen haben. Als meine Kinder Liebeskummer hatten und ich sie trösten wollte: "Wenn Gott dir eine Tür zuschlägt, öffnet er dir ein Fenster." Corona hat viele Türen verschlossen. Vieles geht nicht mehr, muss abgesagt, umgemodelt werden. Wieder und wieder. Das ist ärgerlich und oft mehr als das. Aber Not macht auch erfinderisch. Wenn das Vertraute nicht möglich ist, weil die Türen verschlossen sind, müssen wir Fenster suchen und auf machen. Nicht nur zum Lüften im Büro und in der Schule. Und: Wo Fenster offen sind, kommt frische Luft rein. Neue Ideen, andere Formate.

Eine Freundin hat im Herbst ihren Garten neugestaltet. Sie sagt: "Zuerst war ich traurig über die abgesagten Termine. Jetzt merke ich: Ich bin viel mehr bei mir und meinen Ideen. Das tut mir gut."

Die Leiterin eines Frauenkreises hat im Dezember an alle Frauen ihrer Gruppe eine Kerze geschickt. Dazu für jede Woche eine Geschichte. An dem Termin, an dem sie sich sonst treffen, zünden sie jetzt ihre Kerze an und lesen die Geschichte. So bleiben sie verbunden.

Drei alte Damen haben ein kleines Ritual entwickelt. Früher haben sie immer zum Kaffeeklatsch eingeladen. Reihum in den Häusern. Als das wegen Corona nicht mehr ging, haben sie sich draußen getroffen. Im Garten. Jeden Nachmittag um 17 Uhr. Eine halbe Stunde. Einander sehen. Sich was erzählen, eine Kleinigkeit zusammen essen. Das hat ihren Tag strukturiert. Im Herbst wurde es draußen zu kalt und ungemütlich. Wieder eine Tür zu. Bis eine auf den Gedanken kam: Wir treffen uns in der Kirche. Die ist offen und die Stühle stehen schon im richtigen Abstand. Als eine Geburtstag hatte, haben sie sogar ein Stück Torte gegessen. In der Kirche. Vorm Altar! Dabei hatten sie Spaß wie junge Mädchen, die heimlich etwas Verbotenes tun. Sie sehen sich jetzt viel öfter als früher und sind sich einig: Diese Möglichkeit halten wir uns auch nach Corona offen!

Kleine Geschichten, die zeigen: "Wenn Gott dir eine Tür zuschlägt, öffnet er dir ein Fenster."

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