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Einfach nur Da-Sein
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Einfach nur Da-Sein

Dr. Barbara Brüning
Ein Beitrag von

Dr. Barbara Brüning,

Katholische Journalistin, Autorin und Systemische Familienberaterin, Frankfurt
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Letzte Woche habe ich mit einer jungen Mutter gesprochen, um die ich mir zu Beginn der Corona-Krise recht viele Sorgen gemacht hatte. Beide Eltern sind berufstätig. Die Kinder sind noch klein und wurden bis vor Corona den ganzen Tag in Einrichtungen betreut. Dann, Mitte März, waren beide Eltern im Home-Office und die Kinder auch den ganzen Tag zu Hause. Ich hatte befürchtet, es würde viel Streit und Stress geben. Aber es kam alles ganz anders.

Sie hat mir erzählt: „Es war eigentlich eine sehr schöne Zeit. Ich war noch nie so eng und intensiv mit meinen Kindern zusammen. Dabei haben wir uns alle noch mal auf eine ganz andere Art kennen gelernt.“ Auch ihr Mann hat gut mitgearbeitet, so dass am Ende alle beide zum Arbeiten kamen.

Zeit und Nähe, um einander noch einmal kennenzulernen

Ich war neugierig und wollte wissen: Wie ist euch das gelungen? Und da hat sie gesagt: „Wir hatten nach langem überhaupt erst mal wieder so viel Zeit miteinander, dass wir in Ruhe sprechen konnten: über Politik oder das Wetter, über Kindererziehung und unsere eigenen Kindheitserlebnisse. Wir waren am Anfang in ganz vielen Dingen unterschiedlicher Meinung, aber es hat uns irgendwie nicht aufgeregt. Bei den unendlich vielen Memory-Spielen, beim Puzzeln, beim Malen mit Wasserfarben, beim Schnibbeln von Gemüse konnten wir dann immer auch viel nachdenken – und bis abends hatte sich der Ärger dann oft gelegt.“

Sie hat aus dieser Erfahrung heraus ein paar Entscheidungen für die Zukunft getroffen. Sie hat gesagt: „Wir wollen auf keinen Fall mehr auf solche Momente verzichten, in denen wir einfach nur da sind. Es ist so wichtig, nur Zeit miteinander zu verbringen, ohne ständig die Uhr im Blick zu haben. Das hat uns so gut getan.“ Deshalb hat sie die Kinder von Ballett und Fußball, vom Tanzen und der Musikalischen Früherziehung einfach abgemeldet.

Der liebe Gott sieht uns zu und lächelt

Und dann hat sie noch etwas gesagt, das mich sehr berührt hat: „Manchmal habe ich jetzt tatsächlich das Gefühl, dass der liebe Gott uns zusieht und lächelt. Oder wenigstens ein Engel. Das ist ein großes Glücksgefühl. Und lässt uns spüren lassen, wie wichtig wir alle füreinander sind. Wenn wir ohne große Leistung einfach nur da sind.“

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