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Die Freiheit zum Guten
Bild: lisa runnels/Pixabay

Die Freiheit zum Guten

Michael Becker
Ein Beitrag von Michael Becker, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Manchmal fehlen einem die Worte. Und doch muss darüber gesprochen werden. In unserem Land werden Kinder sexuell missbraucht. Gerade wurde im Raum Münster eine Hütte gefunden, in der dies geschah. Ich denke auch an das kleine Mädchen Maddie, das vor 13 Jahren in Portugal verschwand. Und dass es jetzt einen Verdächtigen gibt für eine böse Tat. Unauffällige Menschen können so schrecklich handeln; ich schäme mich immer dafür. Es können Verwandte sein, Menschen im Verein und, Gott sei’s geklagt, auch in den Kirchen. Die bemühen sich gerade, nichts mehr zu verschleiern und Opfern eine Stimme zu geben. Es schreit einfach zum Himmel.

Ich will jetzt nicht über Gründe nachdenken, das wissen andere besser. Ich will aber sagen: Es ist eine Tragödie für ein Kind und seine Familie, eine lebenslange Tragödie. Warum greift Gott denn da nicht ein?

Ich finde keine Antwort. Menschen haben leider auch die Freiheit zum Bösen. Das ist so seit Eva und Adam, seit Kain und Abel. Gott ordnet nicht täglich die Welt; er schenkt aber Freiheit, jeden Tag. Also auch die Freiheit zum Guten. Es ist gut in Gottes Augen, Kinder zu schützen, auf ihre Ängste zu hören, sie vor Unheil zu bewahren. Es ist oft nicht leicht, aber wenn ich etwas tun kann, dann das: Darauf zu achten und auch nachzufragen, ob Kinder wirklich unbeschwert sind. Liebe zu Kindern ist behutsam, braucht gespitzte Ohren und viel Zeit. Wir Erwachsenen haben diese Freiheit zum Guten, zur mitfühlenden Liebe. Dass wir sie gebrauchen, tut Kindern gut. Und gefällt Gott.

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