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Das Brillenwunder
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Das Brillenwunder

Andrea Seeger
Ein Beitrag von

Andrea Seeger,

Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung
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Meine Augen sehen immer schlechter, jedenfalls im Nahbereich. Wenn ich auf Reisen gehe, packe ich sicherheitshalber eine Ersatzbrille ein. Gebraucht habe ich sie noch nie. Das letzte Mal habe ich darauf verzichtet, die Ersatzbrille mitzunehmen. Und prompt passierte es: Meine eigentliche Brille war weg und blieb verschwunden. Was nun? Mitten in Russland? Optikergeschäfte gibt es selten und sind sehr teuer, sagt die freundliche junge Dame an der Hotelrezeption.

Unerwartete Hilfe

Ich fürchte, sie hat Recht. Was nun? Die Mitreisenden trösten mich. Sie lesen mir vor, versprechen sie. Wir laufen durch die Stadt, auf dem Weg zur Besichtigung einer Kirche. Da kommt eine Unterführung. Sie ist trostlos, wie solche Unterführungen eben oft sind. Aber da regt sich Leben, Geschäftsleben. An der breitesten Stelle stehen ein paar Tische. Und was liegt darauf?

Brillen! Schwarze, braune, graue, rote, grüne, gelbe, blaue in verschiedenen Stärken und verschiedenen Designs. Zu haben sind sie für umgerechnet rund fünf Euro. „Ein Wunder“, sagt einer aus der Gruppe. „Wir reisen seit vier Tagen quer durch das Land und haben noch nirgendwo Brillen im Angebot gesehen.“ Stimmt.

Vielleicht haben wir sie nur nicht gesehen, weil niemand eine Brille gebraucht hat. Aber viel besser gefällt mir dieser spontane Satz meines Mitreisenden: „Ein Wunder!“ Von mir aus könnte es in schwierigen Situationen immer eine solche Wendung geben, in der sich die Sache zum Guten fügt.

Wundergeschichten in der Bibel

Die Bibel steckt voller solcher Geschichten. Die von der ­ wunderbaren Brotvermehrung zum Beispiel. Der Tag war lang, die Leute sind hungrig, aber es sind nur ein paar wenige Brote da. Da bewirkt Jesus, dass das Vorhandene für alle reicht. Oder die Hochzeit, bei der der Wein ausgeht und Jesus Wasser in Wein verwandelt. Was wäre das denn für eine Hochzeit, auf der die Festfreude abgelöscht wird, weil es nichts mehr gibt?

In meinem Leben gab es schon ein paar Mal unerwartet Hilfe in der Not, nicht nur die Brillenfrauen in der Unterführung – kleinere und größere Wunder, über die ich immer wieder staunen kann. Welche Wunder gab es bei Ihnen?

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