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„Brüderchen, komm, tanz mit mir“
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„Brüderchen, komm, tanz mit mir“

Ute Klewitz
Ein Beitrag von

Ute Klewitz,

Pastoralreferentin, Mentorin für Lehramtsstudierende mit dem Fach Katholische Theologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz
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„Brüderchen, komm, tanz mit mir. Beide Hände reich ich dir …“, dieses Kinderlied hat meine Oma meiner Schwester und mir schon sehr früh beigebracht. Und wir haben das Lied geliebt: Wir haben es gesungen und getanzt, bis uns ganz schwindelig war. Mit meinen Söhnen habe ich dasselbe erlebt. Irgendwie sorgt dieses Lied für Schwung, und Kinder und Erwachsene tanzen.

Tanzen, das tut einfach gut. Ganz egal, wie alt man ist. Da sind die Bewegungen: mal schwungvoll wie in dem Kinderlied, aber manchmal auch ganz ruhig und elegant. Musik, eingängige Melodien und schöne Worte versetzen den Körper in Schwingungen. Da entsteht Nähe, Vertrautheit, Wärme. Das klappt mal besser und mal schlechter zwischen Tanzenden. Aber wenn die Chemie zwischen den Tanzenden stimmt, dann hat Tanzen für mich etwas Leichtes. Da kann ich den ganzen Alltagsstress hinter mir lassen und mit einem passenden Tanzpartner oder einer Tanzpartnerin einfach leicht und liebevoll über das Parkett gleiten. Das ist ein wenig wie Schweben.

Von einer ganz besonderen Tanzerfahrung erzählt auch eine christliche Mystikerin aus dem letzten Jahrhundert: Madeleine Delbrêl. Mystiker, das sind Menschen, die Gott ganz intensiv begegnen und davon in manchmal für uns heute seltsam klingenden Bildern erzählen. Für Madeleine Delbrêl ist das Leben wie ein Tanz mit Gott. Und Gott ist ein ganz besonders guter Tanzpartner. Er hält jeden, der mit ihm tanzt, bei diesem gemeinsamen Tanz fest in seinen Armen. Und dazu erklingt, so beschreibt es Madeleine Delbrêl, die Musik allumfassender Liebe. Dieses Bild, Gott der mich tanzend durch mein Leben führt, gefällt mir sehr. Mein Glaube klingt dann ein bisschen wie ein Lied, ein altes und vertrautes Lied. Und dazu tanze ich mit Gott und fühle mich dabei leicht und geborgen. Wie damals, als ich mit meiner Oma oder mit meinen Söhnen getanzt habe, „Brüderchen, komm tanz mit mir“. Tanzen mit vertrauten Menschen und mit Gott: das kann sich wirklich mystisch anfühlen.

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