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Bobby Farrell, Boney M. und die Religiös-Unmusikalischen
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Bobby Farrell, Boney M. und die Religiös-Unmusikalischen

Norbert Mecke
Ein Beitrag von

Norbert Mecke,

Dekan, Evangelischer Kirchenkreis Melsungen
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Er hatte schon einen ganz besonderen Tanzstil: Ausgefallen. So eine Mischung aus akrobatischem Breakdance, wildem Kung-Fu und Cheerleader-Bewegungen. Ich spreche von Bobby Farrell.

Bobby Farrell war der Sänger und Tänzer von Boney M. – und damit ein Musikstar meiner Kindheit und frühen Jugend.

Für mich war damals klar: Er ist „Daddy cool“. Und der verwegene „Ra-Ra-Rasputin“, von dem er mit den drei Frauen der Boney M.-Formation singt. Und als ich verstanden habe, dass er mit „By the rivers of Babylon“ und „Marys boychild, Jesus Christ“ sogar Biblisches besingt, fand ich auch das klasse. So hätte ich es mir damals in der Kirche gewünscht: Musik, die einen zum Tanzen bringt, und Leute, die sie so performen, dass man merkt: Die Sache geht ihnen selbst unter die Haut.

Dann kam die Enttäuschung. „Der singt gar nicht selbst!“ Das macht ein anderer im Studio. Bobby Farrell bewegt auf der Bühne nur die Lippen. Da war für mich – um es mit einem Boney M.-Titel zu sagen – erstmal Schluss mit „Sunny“, Schluss mit Sonnenschein!

Damals habe ich mich geärgert. Biblische Lieder singen, es aber nicht mit der Wahrheit halten. Dabei wäre es doch völlig o.k. gewesen, wenn offen gesagt worden wäre: „Wir haben halt einen reinen Tänzer dabei – der bringt Groove in die Sache!“ Das ist doch auch was!

„Das ist doch auch was!“, genau diesen Satz habe ich Anfang des Jahres zu jemandem gesagt, der mir erzählt hat, er sei „religiös unmusikalisch“. Hat es nicht so mit Kirchgang, Gebet und Singen. Aber ist höchst beweglich, wenn´s um´s Anpacken geht. In Sachen soziale Projekte und Baueinsätze tanzt er auf vielen Hochzeiten – und das mit spürbarer Freude.

„Das ist doch auch was!“. Ehrlich und am Ende sehr wohl mitten im guten Takt.  Natürlich gehört er in die Formation und macht Kirche mit zu dem, was sie ist. Er „performt“ sozusagen längst christlich und zeigt, dass es ihm unter die Haut geht und nicht kalt lässt. Eben mit seinem Stil.

Wenn ich heute Boney M. höre, freue ich mich wieder über Bobby Farrell. Er gehörte mit seinem Tanzstil einfach fest dazu. Basta.

Das einbringen, was man gut kann. Das ist doch was! Ehrlich!
 

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