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Balkengucker
Bild: Steve DiMatteo/Pixabay

Balkengucker

Kurt Grützner
Ein Beitrag von

Kurt Grützner,

Landespolizeipfarrer der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel
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Wenn ich vorm Computer sitze und irgendetwas herunterlade, erscheinen während des Ladens die Fortschrittsbalken. Sie zeigen mir an, wie weit der Download vorangeschritten ist. Manchmal geht es ganz schnell. Und manchmal scheint sich überhaupt nichts zu rühren. Dennoch sitze ich davor und gucke den Balken zu.
„Na, Vadder, guckste mal wieder den Balken zu?“ Unsere Kinder machen sich in solchen Situationen über mich lustig.
Denn wenn die Kinder am PC sind, dann starten sie den Download – und: gehen weg, machen was anderes. „Digital Natives“ eben. Ich bleibe sitzen und schaue den Balken zu.

Warum eigentlich ziehen mich die Fortschrittsbalken so in ihren Bann? Das habe ich mich gefragt. Ganz extrem ist das, wenn ich ein Aufräumprogramm laufen lasse. Ich habe dann so ein Gefühl, als säße da einer im PC und räumt mal so richtig auf: Alte Dateien: weg! Veraltete Programme: updaten! Doppeltes: weg! Ich wüsste nicht, wie ich das selber machen könnte. Ich gucke den Balken zu und habe die Hoffnung, dass hinterher alles besser läuft. Das ist dann nicht immer so. Aber manchmal doch.

Mich erinnert das ans Beten: Da übergebe ich auch etwas, was ich selber erstmal nicht kann: „Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ lese ich im 1.Petrusbrief (5,7). Auch hier vertraue ich darauf, dass -in diesem Fall Gott- etwas in Ordnung bringt, was ich erstmal nicht durchschaue. Natürlich ist Gott kein PC-Aufräumprogramm, wo ich den Fortschritt an den Balken ablesen kann – und danach läuft’s wieder, mein Leben. Aber meine Sorgen kann ich abgeben. Das macht’s schon mal leichter. Manchmal wird mir beim Beten eine Lösung oder ein Ausweg. bewusst. Für mich ist das das Wirken des Heiligen Geistes.

Obwohl meine Kinder lachen, werde ich den Fortschrittsbalken am PC auch in Zukunft verfolgen. Und auch beim nächsten Gebet werde ich meine Sorgen Gott anvertrauen und gelassen abwarten, was geschieht!

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