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Zeugnistag
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Zeugnistag

Daniel Stehling
Ein Beitrag von

Daniel Stehling,

Pastoralreferent und Katholischer Religionslehrer, Fulda
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„Ich denke, ich muss so zwölf Jahre alt gewesen sein.“ So beginnt Reinhard Mey eines seiner Lieder, in dem er einen Zeugnistag in seiner Schullaufbahn besingt. „So, jetzt ist es passiert. Jetzt ist alles aus, nicht einmal eine 4 in Religion,“ heißt es in seinem Lied weiter. Dies zeigt: Zeugnistage sind nicht immer „glückliche“ Tage. Es sind Tage, vor denen nicht nur manche Schüler, sondern manchmal auch Eltern und Großeltern zittern. Für die vielen Schülerinnen und Schüler in Hessen war es heute Vormittag wieder soweit. Es gab Zeugnisse. Für mich als Schüler waren die Zeugnisausgabetage immer mit besonderer Spannung verbunden. Ein Zeugnis bekommen. Die Noten sehen. Das Zeugnis nach Hause bringen und den Eltern vielleicht die eine oder andere Note erklären müssen. Aber auch die Freude über gute Leistungen und Zensuren gemeinsam teilen. Das hat für mich diesen Tag bestimmt. Und immer wieder eine ganz besondere Erfahrung durch meine Eltern: Ich bin geliebt, so wie ich bin. Egal mit welchen Schulnoten. Das bedeutete nicht, die schulischen Mängel herunterzuspielen, sondern gemeinsam die Probleme anzugehen und sie zu beheben. Im gemeinsamen Gespräch, beim Zuhören und in der Zuwendung zeigte sich, dass meine Eltern mich lieben, trotz der einen oder anderen etwas schlechteren Note. Für mich eine prägende Erfahrung, an die ich mich an jedem Zeugnistag besonders erinnere.
Ich denke, wenn wir es immer wieder schaffen, Liebe zu zeigen und einander so anzunehmen, wie wir sind, dann leben wir auch einen zentralen Teil des christlichen Glaubens. Die Botschaft der Bibel verheißt nämlich, dass wir stets auf einen Neuanfang hoffen dürfen. Gott lässt uns immer wieder neu beginnen. Diese Erfahrung zu machen, tut nicht nur den Schülerinnen und Schülern gut, sondern jedem Menschen. Wenn wir so handeln, dann geben wir die Liebe Gottes weiter, der in unser Lebenszeugnis schreibt: „Du bist mir wertvoll und wichtig, und du bist mein geliebtes Kind“ (nach 1 Joh 3).

 

 

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