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You never walk alone - was hilft nach einem Schock?
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You never walk alone - was hilft nach einem Schock?

Ein Beitrag von

Helwig Wegner-Nord,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

Der Sprengstoffanschlag auf den Bus der Mannschaft von Borussia Dortmund ist noch keine zwei Wochen her. Gestern Morgen hat die GSG 9 einen Tatverdächtigen festgenommen. Der Mann soll den Anschlag aus Gier verübt haben. Er hat offenbar darauf gesetzt, dass die BVB-Aktie fällt. Die Ermittlungen laufen noch.

Viele haben am Mittwoch mit den Jungs vom BVB mitgezittert und mitgelitten. Sie hatten das Rückspiel gegen AS Monaco und haben 1:3 verloren. Damit ist Borussia Dortmund aus der Championsleague ausgeschieden. Viel zu verkraften. Wie geht man damit um, wenn einen Dinge aus der Bahn werfen?

Manchmal steckt in einer Niederlage auch Stärke. So wie bei den Spielern vom BVB am Mittwoch. Ihr Trainer Tuchel sagte nach dem Spiel: „Ich empfinde großen Respekt für die Jungs dafür, wie sie mit den Erlebnissen umgegangen sind.“ Es ist total schwer, so kurz nach einem Schock wieder auf die Beine beziehungsweise ins Spiel zu kommen.

Unter solchen Voraussetzungen kann man nicht die gewohnte Leistung abrufen. Das erlebt jeder, wenn etwas passiert, was die eigene Lebensroutine erschüttert. Zum Beispiel eine schwere Diagnose stellt das ganze Leben in Frage. Oder jemand muss verkraften, dass ein geliebter Mensch gestorben ist. Nichts ist mehr so, wie es vorher war.

Dann hilft es, wenn es Menschen gibt, die einem beistehen – und nicht ignorieren, was passiert ist. Das haben auch die Spieler vom BVB im Stadion in Monaco erlebt. Vor dem Anpfiff haben die Fans der gegnerischen Mannschaft den Fußball -Klassiker gesungen, der sonst immer im Stadion in Dortmund läuft: „You never walk alone.“ „Du bist niemals alleine.“ Damit haben die Monegassen ein Zeichen gesetzt: Wir stehen auf eurer Seite. Wir singen euer Lied!

In anderen Situationen sind es andere Gesten, die helfen, eine schwere Zeit durchzustehen. Zum Beispiel nachzufragen, wie es meinem Gegenüber geht, wenn ich den Eindruck habe, dass etwas nicht stimmt. Schon der Satz „Komm, ich mach dir erst mal eine Tasse Tee“ kann unglaublich trösten, weil man merkt: Da nimmt sich jemand Zeit für mich.

Wie gut, wenn Menschen in schweren Situationen einander beistehen – und sich gegenseitig daran erinnern: You never walk alone.
 

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