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Year of Health and Care Workers
Bild: Gundula Vogel/Pixabay

Year of Health and Care Workers

Andrea Wöllenstein
Ein Beitrag von

Andrea Wöllenstein,

Pfarrerin im Referat Erwachsenenbildung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Marburg
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Die Weltgesundheitsorganisation hat das Jahr 2021 als "Year of Health and Care Workers" ausgerufen. Als Jahr derer, die im Gesundheitsdienst arbeiten und der - ja, wie übersetzt man "Care"? Damit sind alle gemeint, die sich um andere kümmern. Insbesondere sollen Frauen und Männer gewürdigt werden, die in der Corona Pandemie andere versorgen. Viele von ihnen haben sich selbst infiziert. Über 20.000 Schwestern und Pfleger, so schätzt man, sind weltweit inzwischen an Covid 19 gestorben.

Aber nicht nur die sind gemeint, die beruflich in der Pflege arbeiten. "Care" umfasst bezahlte und auch unbezahlte Arbeit. Betreuung der Kinder und Pflege der Alten, familiäre Unterstützung und Nachbarschaftshilfe. Lange wurde diese Arbeit unterschätzt und nicht geachtet. Heute wissen wir: Sie ist systemrelevant. Sie macht die "produktive Arbeit" überhaupt erst möglich. Weil Kinder versorgt werden, können Mütter und Väter berufstätig sein. Weil die alte Mutter gepflegt wird, muss der Sohn seine Arbeit nicht aufgeben. Die Corona Pandemie ist wie ein Brennglas, das uns gesellschaftliche Verhältnisse genauer sehen lässt. Was wieder deutlich wird: Es sind vor allem Care- Workerinnen. 85% der beruflich Pflegenden sind Frauen. Von den 1.5 Millionen, die in Deutschland ihre Angehörigen pflegen, sind 70 % weiblich. Da, wo sie es nicht selbst schaffen, ermöglichen weibliche Haushaltshilfen aus Osteuropa, dass die pflegebedürftigen Menschen zu Hause bleiben können.

Warum übernehmen so wenige Männer Care – Aufgaben? Warum hat ein Banker höheres Ansehen als eine Altenpflegerin? Wie kommt es zu diesem Bild in unseren Köpfen? Jesus hat es anders vorgelebt. Er war sich nicht zu schade, Kranke zu berühren. Er ist zu ihnen nach Hause gegangen, um sie zu heilen. Hat Kinder auf den Arm genommen und vor Erwachsenen verteidigt, die sie wegschicken wollten. Er hat sich nicht geschämt, seine Schmerzen zu zeigen, das Gefühl der Verlassenheit im Sterben. Ein "menschlicher Mann", der gezeigt hat: Nicht nur Frauen sind zur Care-Arbeit geboren. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe. Wir erfahren mehr vom Leben, von dem, was es heißt: Mensch zu sein, wenn wir füreinander sorgen.

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