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Wundeschön, auch mit Spinat im Gesicht
GettyImages/kickers

Wundeschön, auch mit Spinat im Gesicht

Claudia Sattler
Ein Beitrag von

Claudia Sattler,

Evangelische Pfarrerin, Herborn
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Unser Fotokalender zeigt diesen Monat mein Patenkind Feli. Sie ist zwei und sitzt auf dem Foto im Hochstuhl und alles – wirklich alles – ist mit Spinat bekleckert: Haare, Augen, Ohren, Lätzchen, alles grün gesprenkelt. Dazu bohrt Feli gerade glücklich in der Nase.

Ich liebe dieses Bild! Es ist so herrlich ehrlich! Toll, dass ihre Eltern den Mut hatten, dieses Bild für den Kalender auszuwählen. Das richtige Leben ist klebrig und dreckig, es ist zum Heulen und zum Lachen und einfach wunderschön!

Meistens suchen Eltern Fotos aus, auf denen die Kinder besonders hübsch angezogen sind und auf denen sie artig lächeln. Die mag ich auch. Doch ich sehe auch die Mühe, die es macht, bis alles scheinbar perfekt ist. Eine Mühe, die sich heute viele machen. Auf Selfis setzen sie sich in Szene, schicken diese Bilder weiter und sagen allen: Schaut: So schön kann ich sein. Da sind wirklich tolle Bilder dabei. Aber manchmal denke ich: Ihr seid doch auch so schön! So in echt – ohne dass ihr euch in Szene setzt. Einfach so: mit verwuschelten Haaren, mit der schiefen Krawatte und sogar ungeschminkt.

Manchmal denke ich morgens vor dem Spiegel: „Danke, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin! Auch mit meinen Falten und mit den ersten grauen Strähnen.“ Denn das sind wir: von Gott wunderbar gemacht – mit oder ohne Spinat im Gesicht.

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