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Wo niemand meinen Namen kennt
Brian Merrill/Pixabay

Wo niemand meinen Namen kennt

Johanna Fröhlich
Ein Beitrag von

Johanna Fröhlich,

Evangelische Pfarrerin, Vielbrunn/Odenwald
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Ich habe lange in einem Dorf gelebt, wo jeder meinen Namen kennt. Und jetzt ziehe ich um, in eine Stadt. Dort kennt erst mal niemand meinen Namen. Das hat zwei Seiten. Auf der einen ist es auch ganz schön, einfach mal in der Menge auf der Straße unterzutauchen. Doch auf der anderen Seite hab ich auch ein bisschen Sorge.

Jemand hat zu mir gesagt:„ Wenn Du da mal nicht verloren gehst!“ Puh. Ein mulmiges Gefühl. Niemand kennt mich. Das fühlt sich ein bisschen verloren an. Zuhause fühle ich mich, wenn jemand mich mit meinem Namen grüßt und fragt: Wie geht’s Dir? Ich fühle mich sicher, wenn Menschen da sind, die ich im Notfall um etwas bitten kann: Wenn ich mir ein Ei borgen will oder eine Frage habe, wo ich was in der neuen Umgebung finde. Da es ist einfach schön, wenn jemand da ist, der mich kennt und gern hat.

Gott kennt deinen Namen

Es gibt einen Satz aus der Bibel. Den habe ich schon oft anderen gesagt, im Gottesdienst oder im Gespräch. Er geht so: Gott sagt: Fürchte dich nicht. […] Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, du bist mein. (Jesaja 43,1). Das gilt doch auch für mich! Gerade jetzt, wenn ich umziehe: Fürchte dich nicht. Selbst, wenn mich noch niemand kennt: Gott kennt mich beim Namen.

Mit diesem Zuspruch sehe ich mich selbst durch die Straßen laufen. Ich stell mir vor, wie Gott auf mich sieht und denkt: „Da ist sie, meine Johanna!“ Und ich stelle mir vor, wie ich vielleicht überraschend eine Freundin auf der Straße treffe, die ich ganz vergessen hatte: „Hallo, wie geht’s Dir? Wohnst Du jetzt auch hier?“ Und sie stellt mir ihre Freundin vor, die bei ihr ist. Ich vertraue darauf: Ich gehe nicht verloren. Gott kennt meinen Namen. Und bald werden mich auch neue Leute kennenlernen und ich sie.

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