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Wenn Hopfen und Malz verloren scheint...

Wenn Hopfen und Malz verloren scheint...

Monika Dittmann
Ein Beitrag von

Monika Dittmann,

Katholische Seelsorgerin im Altenheim, Flörsheim am Main
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„Da ist Hopfen und Malz verloren“ – wie oft habe ich dieses Sprichwort schon gehört.

Wenn Hopfen und Malz verloren sind, dann geht gar nichts mehr - egal, wie sehr man sich angestrengt. So sagt es zumindest diese Redewendung. Sie kommt übrigens aus der Bierbrauerei: Wenn es nicht geklappt hat, ein Bier ordnungsgemäß zu brauen, dann sind die Zutaten verloren.

Ich erschrecke, wenn Menschen so reden. Ich höre die Redewendung nicht gerne. So sprechen Menschen, wenn sie für sich selbst aufgegeben haben; vielleicht sogar Menschen,  Schüler oder Schwerkranke so einschätzen. Das klingt so hoffnungslos und endgültig. Ich mag nicht so schnell aufgeben. Ich will an der Hoffnung festhalten, solange es geht.

Heute ist der 30. Todestag von Erich Fried. Von ihm gibt es ein Gedicht, das ich sehr ins Herz geschlossen habe: Gegen alle Vergeblichkeit und Vernunft spricht es von einer Kraft, die weiterträgt. In dem Gedicht heißt unter anderem:

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

(Erich Fried)


Ja, das habe ich schon so oft erlebt: wenn ich einen Menschen in seiner momentanen Situation  in Liebe anschaue, wenn ich einem Schwerkranken Zuwendung zukommen lasse, wenn ich einem schwachen Schüler meine Zeit  gebe – dann geht es weiter. Das, was ist, nehme ich an und ernst, aber ich sehe dahinter den Menschen. Dann flackert ein Lichtfunke in seinen Augen auf, dann keimt Hoffnung und Lebenskraft – vielleicht auch, um eine schwere Lebenssituation anzunehmen. Es ist eben kein Unsinn, in einer scheinbar ausweglosen Situation einem Menschen Liebe und Zuwendung zu schenken, in einer unkalkulierbaren Lage sich dem Nächsten zuzuwenden.

Hinter den Worten entdecke ich die Haltung Jesu, der allen Menschen wohlwollend und heilsam begegnet ist. Mit dieser Haltung kann ich auch zu sterbenden Menschen gehen … und ich weiß mich Jesus sehr nahe. Für ihn war niemals Hopfen und Malz verloren. Er wollte, dass der Mensch das Leben gewinnt und aus der Hoffnung leben kann.

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