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Wem unser Vertrauen gilt
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Wem unser Vertrauen gilt

Claudia Rudolff
Ein Beitrag von

Claudia Rudolff,

Rundfunkpfarrerin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel
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Vertrauen ist lebensnotwendig. Deswegen wird in Deutschland einmal im Jahr untersucht (n-tv.de/RTL 16.1.2019), wem unser größtes Vertrauen gilt. Das Ergebnis von voriger Woche: der Polizei und den Ärzten. Das freut mich. Leider zeigte die Untersuchung auch, was mit der evangelischen Kirche passiert ist. Sie verliert viel an Vertrauen; zehn Prozent zum vorigen Jahr. Das ist schlimm. 48 % vertrauen der evangelischen Kirche noch. Weniger als die Hälfte. Was ist geschehen? Die Kirche büßt an Glaubwürdigkeit ein, seit sie im Umgang mit Kindern Schlimmes angerichtet hat. Vertrauen kann jetzt nur wieder entstehen, indem diese Fälle schonungslos aufgeklärt werden. Täter zur Rechenschaft gezogen, Opfern geholfen und um Verzeihung gebeten wird.

Ich kann nicht der ganzen Kirche Vertrauen zurückbringen, leider. Ich kann aber an meinem Platz Vertrauen stiften.

Vertrauen wächst nur da wieder, wenn mein Denken und Tun übereinstimmen. Wenn ich glaubwürdig bin. Und ich am Montag nicht etwas anderes tue, als ich am Sonntag gesagt habe.

Auch Jesus sind die Menschen ja nicht in großen Scharen hinterhergelaufen. Aber er lebte jeden Tag, was er sagte.  Jesus hat von Gottes Liebe und Barmherzigkeit erzählt und danach auch gelebt. Er ist auf andere liebevoll zugegangen, hat niemanden ausgegrenzt. Er hat vergeben und nicht gleiches mit gleichem vergolten. An ihm möchte ich mich orientieren und durch mein Denken und Tun an meinem Platz Vertrauen stiften.

Und weil ich das allein nicht immer hinkriege, bitte ich Gott um Kraft und Mut für ein glaubwürdiges Leben.
Und auch darum: dass die evangelische Kirche wieder Vertrauen gewinnt und Menschen spüren: Hier weht der Geist Jesu, hier ist mein Platz.

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