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Vielfältige Musik, vielfältiger Glaube

Vielfältige Musik, vielfältiger Glaube

Alexander Matschak
Ein Beitrag von

Alexander Matschak,

Medienkoordinator des Bistums Mainz
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Letztens hat es laut aus dem Zimmer meines Sohnes gedröhnt. Er hatte sein Radio und seinen Radiowecker voll auf Anschlag gedreht. Natürlich YOU FM – momentan seine Lieblingsradiowelle. Ohrenbetäubend ist der Song irgendeines mir unbekannten Chartkünstlers durch unser Haus geschallt. Mein Sohn hat dazu in seinem Zimmer getanzt und laut mitgesungen. Ein Lied habe ich ihm gegönnt, dann musste er wieder runterdrehen. Nicht nur im Interesse unserer Nachbarn, auch für meine Nerven. Aber mein Sohn fand das natürlich super, mal so richtig aufzudrehen. Und die Musik mit allen Sinnen zu genießen.

Ich habe da an meine eigene Jugend denken müssen. Ich konnte stundenlang in meinem Zimmer sitzen und Musik hören – allerdings mit Kopfhörer wegen der lärmempfindlichen Nachbarn. Aber mein Musikgeschmack war ein ganz anderer als der meines Sohnes. Ich habe stundenlang Opern gehört – vorzugsweise von Richard Wagner oder Richard Strauss. Und trotzdem ist es mir da auch wie meinem Sohn gegangen: Ich habe mich total in der Musik versenkt, habe mit der Musik mitgefiebert, konnte auch alles um mich herum vergessen.

Wie man bei meinem Sohn und mir sehen kann: Musik berührt, Musik bewegt, Musik weckt Emotionen. Die Stilrichtung ist da ganz egal. Auch meinen Glauben kann ich mir ohne Musik nicht vorstellen. Daran denke ich heute besonders. Denn heute am 22. November ist der Gedenktag der heiligen Cäcilia. Sie ist die Patronin der Kirchenmusik. Und auch bei der Kirchenmusik bin ich ziemlich klassisch gepolt. Zum Beispiel bei Kirchenliedern: Ohne „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ kein Advent für mich, ohne „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ kein Karfreitag, ohne „Christ ist erstanden“ kein Ostern. Ich habe auch immer gerne Gregorianischen Choral gesungen oder Motteten von Heinrich Schütz und Palestrina. Und ich hatte lange Schwierigkeiten mit neueren Formen von Kirchenmusik, habe mich zum Beispiel nie so wirklich mit den so genannten Neuen Geistlichen Liedern anfreunden können. Ja, ich war als junger Mann sogar richtig wütend und ablehnend, wenn ich sie in einem Gottesdienst singen musste.

Aber, wenn man älter wird, wird man in manchen Dingen gelassener. Und auch weiser. Ich denke: Mein Sohn entwickelt vermutlich einen anderen Musikgeschmack als ich. Und daher wird für seinen Glauben vielleicht einmal andere Musik wichtig sein. Vielleicht eine Jazz-Messe oder Lobpeis-Gesang – Hauptsache, es berührt seine Seele. Es bringt nichts, ihm einen bestimmten Geschmack aufdrücken zu wollen. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat es in einer Predigt mal so ganz treffend ausgedrückt: „Kirchenmusik ist Ausdruck der Vielfalt möglicher Glaubens- und Frömmigkeitsformen. Sie verhindert jeden Uniformismus, jede Eintönigkeit. Wer die Musik schätzt, erfährt, wie sich unterschiedliche Formen und Lebensweisen in der Kirche gegenseitig bereichern können, wie unterschiedlich man glauben und beten kann.“

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