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Tauftag
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Tauftag

Thomas Drumm
Ein Beitrag von

Thomas Drumm,

Evangelischer Pfarrer, Leiter der Akademiker-SMD, Marburg

Michael ist eigentlich kein großer Feier-Mensch. Als gestandenem Mann ist ihm sein Geburtstag nicht so wichtig. Aber heute Morgen standen Ei und frische Croissants auf dem Tisch und ein Strauß Blumen. Und neben Michaels Teller brannte eine große, weiße Kerze. Davor eine Karte mit den Worten: „Ich bin getauft“. Michael feiert heute seinen Tauftag. Der ist ihm wichtig.

„Das war nicht immer so“, erzählt er mir. „Ich bin als Baby getauft. Daran kann ich mich natürlich nicht erinnern. Und viele Jahre hat mir meine Taufe nichts bedeutet.“ Aber dann gab es in Michaels Leben eine Zeit, die war sehr schwer: Die Ehe war in einer Krise, und auch in der Firma hatte er Probleme. Er wurde entlassen und war arbeitslos. „Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt Michael. „Ich habe mich gefragt: Auf wen oder was kann ich mich überhaupt noch verlassen?“

In dieser Zeit wurde der erste Enkel getauft. Michael hat in der Kirche das Kind über das Taufbecken gehalten. Er erzählt: Als der Pfarrer das Taufwasser über das Kind gegossen und es gesegnet hat, da habe es bei ihm eingeschlagen wie ein Blitz. „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du gehörst zu mir.“ Das hat der Pfarrer gesagt. Und Michael hat daran denken müssen, dass es bei ihm wohl genauso war.

So was Ähnliches hat der Pfarrer auch damals bei seiner Taufe zu ihm gesagt. Und auf einmal hat Michael begriffen: Diese Zusage hat Gott nicht zurückgenommen. Sie gilt mir heute immer noch. Das hat ihm geholfen, sagt er. Für ihn war es der erste und der entscheidende Schritt aus dem dunklen Loch.

Das liegt nun schon einige Jahre zurück, aber seit dem feiert er seinen Tauftag. Im-mer wieder sagt er sich vor: „Ich bin getauft. Das steht fest. Und das kann mir nie-mand nehmen.“

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