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Sommerferien
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Sommerferien

Prof. Dr. Markus Tomberg
Ein Beitrag von

Prof. Dr. Markus Tomberg,

Professor für Religionspädagogik, Fulda und Marburg
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Dieser Tag könnte Schule machen. Davon könnte es mehr geben. Eigentlich niemals genug. Heute beginnen die Sommerferien. Für die allermeisten Schülerinnen und Schüler ebenso wie für die Lehrerinnen und Lehrer ein Tag wie kaum ein anderer. Noch drei Unterrichtsstunden, dann die Zeit der Freiheit. Des Ausruhens. Des Kraft Tankens. Sechs lange, herrliche Wochen – in diesem Jahr so früh wie selten und deshalb so hochsommerlich wie sonst kaum. Lange Abende. Ausschlafen. Kein Gedränge auf den Straßen und in den Bussen. Ja: Dieser Tag könnte Schule machen. Dass Ferien- und Urlaubszeiten vor allem deshalb schön sind, weil sie den Arbeitsalltag unterbrechen, ist eine Binsenweisheit. Ohne Arbeit und Aufgaben wäre nicht das ganze Jahr Ferien, sondern eher Langeweile, vielleicht sogar existentielle Not: Ferien und Urlaub muss man sich leisten können und gewissermaßen erarbeiten. Erst dann schmecken sie nach mehr! Die Befristung macht die Ferienzeit so kostbar. Dennoch bleibt die Lust, die tiefe Sehnsucht nach mehr. Nach (den) Ferien ohne einen ersten Schultag danach. Jugendliche und junge Erwachsene, die in den letzten Tagen und Wochen die Schule für immer verlassen haben, Lehrerinnen und Lehrer und alle, die nach langem Berufsleben aus dem Dienst ausscheiden: Sie scheinen am Ziel zu sein. Und haben nicht selten Mühe, sich in einem neuen Lebensabschnitt ganz neu zu orientieren. Die Lust auf das Immer-Mehr ohne Ende kennt auch die Bibel. Gleich auf den ersten Seiten, die von Gottes Schöpfung mehr singen als erzählen, ist von ihr die Rede. Refrainartig wiederholt der Bibeltext nach jedem Schöpfungstag: Es wurde Abend – es wurde Morgen. Es folgt: ein neuer Tag. Am siebten Tag ist das anders. Er ist der Ruhetag, die Krone der Schöpfung. Gemeinsam für Gott und Mensch. Und dieser Tag kennt keinen Abend und kein Ende. Er ist die große Verheißung der ganzen Schöpfung. Mit ihm kommt sie ans Ziel. Der Tag heute: Der könnte da tatsächlich Schule machen. Einüben. Lust auf mehr. Auf das große Ziel. Auf den Tag ohne Abend, die Vollendung der Schöpfung.

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