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Johannes Paul II.: alle können heilig werden
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Johannes Paul II.: alle können heilig werden

Prof. Dr. Markus Tomberg
Ein Beitrag von

Prof. Dr. Markus Tomberg,

Professor für Religionspädagogik, Fulda und Marburg
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Er war und er ist eine besondere Gestalt: Die ´Katholische Kirche erinnert heute an Johannes Paul II. Am 22. Oktober 1978 – heute vor vierzig Jahren – wurde er feierlich als Papst eingeführt. Mehr als 26 Jahre lang sollte er dieses Amt ausüben, in den letzten Jahren sichtbar gezeichnet von schwerer Krankheit. Danach ging alles sehr schnell: Santo subito, Heiligsprechung sofort, skandierten viele Gläubige bereits bei seiner Beerdigung 2005. Und tatsächlich: Schnell eröffnete sein Nachfolger, Benedikt XVI., das Selig-, dann das Heiligsprechungsverfahren. 2014 erfolgte die Heiligsprechung des Papstes aus Polen. Heute ist sein Tag im Heiligenkalender. Viele erinnern sich an Papst Johannes Paul II., der mehr als die halbe Welt bereist hat, dem Millionen zugejubelt haben. Und er hat die Welt bewegt: Gewiss hatte er Anteil an den Veränderungen, die zur deutschen Wiedervereinigung und zum Zusammenbruch der Sowjetunion führten.
Auch innerkirchlich wiegt sein Erbe schwer: Johannes Paul II. hat so viele Menschen heiliggesprochen wie kein Papst zuvor. Sein Verbot der Priesterweihe für Frauen ist bis heute umstritten. Aber nur weniger Kirchenmänner denken an eine Veränderung. Inzwischen sind aber auch dunkle Seiten seines Lebens offenbar geworden. Dem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester und Bischöfe begegnete Johannes Paul, wenn überhaupt, nur zögerlich. In die Leidensgeschichte vieler Menschen bleibt er verwickelt.
Der Mann taugt nicht für erbaulich fromme Geschichten. Er war eine Gestalt mit Ecken, Kanten und Abgründen. Ein Mensch, der polarisiert und der Wunden hinterlassen hat, die noch nicht verheilt sind. Seine Heiligsprechung ist für manche eine Selbstsakralisierung der Kirche.
Da ist es gut, sich zu erinnern, wer in der christlichen Tradition der eigentlich Heilige ist. Das ist kein Mensch, und sei es der Papst, der bis heute als „Heiliger Vater“ angeredet wird. Der Heilige schlechthin, das ist nur Gott. Aber seine Heiligkeit, die reicht für alle. Für Menschen wie Du und ich. Besonders für die, die zu Opfern geworden sind. Gottes Heiligkeit – das ist die Verheißung der ganz großen Gerechtigkeit, des ganz großen Heil-Seins für alle. Für Johannes Paul. Aber eben auch für Sie und mich.

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