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Ja, ist denn heut' schon Weihnachten?

Ja, ist denn heut' schon Weihnachten?

Alexander Matschak
Ein Beitrag von

Alexander Matschak,

Stellvertretender Pressesprecher des katholischen Bistums Mainz
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Oh Gott, jetzt sind es nur noch zwei Tage. Nur zwei Tage! 48 Stunden! Und dann ist Heilig Abend. Jedes Jahr ist Weihnachten auch irgendwie früher, oder? Und ich muss doch noch so viel vorbereiten. Habe ich alle Geschenke besorgt? Da fällt mir ein: Ich brauche unbedingt noch eine Kleinigkeit für meine Frau. Und für mein Patenkind. Ich muss Weihnachtskarten schreiben – aber kommen die denn überhaupt noch an? Und den Weihnachtseinkauf müssen wir machen. Außerdem den Baum schmücken, unser Haus putzen, die Zimmer endlich aufräumen und natürlich noch die Wäsche machen. Und zur Krippenspielprobe müssen wir ja alle auch noch.

So oder so ähnlich ist es bei uns zu Hause in den vergangenen Jahren öfter mal gewesen. Eigentlich soll der Advent ja eine besinnliche Zeit sein. Und dann ist doch alles immer mehr in Hektik ausgeartet. Die dann auch noch größer wurde, je näher der Heilige Abend kam. In diesem Jahr haben wir es tatsächlich etwas anders gemacht. Wir haben uns bewusst die Adventswochenenden frei gehalten: Damit wir Zeit für unsere Kinder und für uns hatten. Und da mussten wir halt auch mal „Nein“ sagen. Nein, wir können an diesem Wochenende nicht mit zum Weihnachtsmarkt mitgehen. Nein, ich kann bei diesem Chorprojekt nicht mitsingen. Nein, ich kann an diesem Wochenende keinen Dienst übernehmen. Nein, ich kann mich nicht mit dir zum Frühstücken treffen.

Das ist gar nicht so einfach gewesen, Nein zu sagen. Denn man will ja die Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen nicht vor den Kopf stoßen. Aber: Es hat uns als Familie gut getan. Wir haben Zeit miteinander gehabt. Zeit, Adventslieder zu singen, Geschichten vorzulesen, Plätzchen zu backen, ein Gesellschaftsspiel zu spielen. Und das alles nicht irgendwie zwischen zwei Termine zu quetschen. Ich kann sagen: Weniger ist wirklich mehr für uns gewesen.

Weniger machen, sich bewusst einschränken. Klingt fast so ein bisschen wie Fasten. Und tatsächlich ist in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt die Adventszeit eine Fastenzeit gewesen – so wie es heute noch die Wochen vor Ostern sind. Von dieser alten Tradition spürt man noch etwas in den Gottesdiensten der Adventszeit: Wie in der Fastenzeit vor Ostern ist die liturgische Farbe violett, es wird kein Gloria-Lied gesungen, es gibt weniger Blumenschmuck. Das ist ein Hinweis darauf: Der Advent ist eine Zeit der inneren Einkehr, in der man sich auf das Weihnachtsfest vorbereitet.

Ich werde deswegen auch in den letzten 48 Stunden vor Heiligabend versuchen, die Ruhe zu bewahren. Werde mich nicht vor der Hektik anstecken lassen, die in den Geschäften jetzt so richtig ihren Höhepunkt erreicht. Auch an diesem Wochenende will ich mir Zeit nehmen für meine Familie und für mich. Um dann hoffentlich in Ruhe an Heiligabend anzukommen und Weihnachten zu feiern.

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