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Girl`s day
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Girl`s day

Eva Reuter
Ein Beitrag von

Eva Reuter,

Katholische Dekanatsreferentin, Dekanat Mainz-Stadt, Mainz
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Neulich habe ich ein interessantes Interview mit einer jungen Frau gehört. Sie hat begeistert von ihrem Beruf erzählt und welche Freude sie daran hat. Sie hat aber auch erzählt, welchen Vorurteilen sie begegnet ist, als sie diesen Beruf ergreifen wollte: Sie ist Tischlerin.

„Das ist doch viel zu schwere Arbeit für ein Mädchen“, war eines der Vorurteile, die sie zu hören bekommen hat. Gegen die dummen Sprüche und die anzüglichen Bemerkungen ihrer Lehrlingskollegen hat sie sich mit Humor und Fachwissen durchgesetzt.

Eigentlich unglaublich im 21. Jahrhundert, finde ich. Es sollte eigentlich keine Diskussionen mehr darüber geben, ob Frauen irgendetwas können oder dürfen. Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir aber auch wieder ein: Auch in Deutschland gibt es das Wahlrecht für Frauen erst seit gut 100 Jahren. Meine Oma hätte gerne Abitur gemacht und Medizin studiert – aber für ein Mädchen war das nicht vorgesehen. Sie hat eine Hauswirtschaftsausbildung gemacht.

In anderen Ländern ist das zum Teil heute noch eine verbreitete Ansicht: Mädchen bekommen keine Ausbildung, weil sie sowieso heiraten. Und wenn sie eine Ausbildung bekommen, dann bitte in einem „Frauen-Beruf“: Kindergärtnerin, Lehrerin, Krankenschwester.  Auch in Deutschland sind KFZ-Mechanikerin, Maurerin oder Tischlerin immer noch die Ausnahme.

Dagegen wollten verschiedene Initiativen und Vereinigungen etwas tun. Sie dachten sich den „Girl’s day – Mädchen-Zukunftstag“ aus. An diesem Tag sind Mädchen eingeladen, ihre Väter auf die Arbeit zu begleiten oder in „typisch männliche“ Berufe hineinzuschnuppern. Heute findet dieser Tag zum 20. Mal statt. Inzwischen gibt es auch einen „Boy’s day“, und Jungen schauen sich „typische Frauenberufe“ in der Praxis an.

Ich finde das eine tolle Idee: Es ist wichtig für alle Jugendlichen, dass sie ihre Talente und Potentiale erkennen und nutzen. Damit sie das können, müssen die Eltern und Lehrer*innen sie fördern. Und auch die Gesellschaft kann durch ihre Art und Weise zu sprechen dazu beitragen, dass Berufe das Attribut „männlich“ oder „weiblich“ verlieren. Deswegen sollte bewusst von „Erzieherinnen“ und „Erziehern“ gesprochen werden oder von „Tischlerinnen“ und „Tischlern“.

Es gibt heute nur noch sehr wenige Felder, in denen es gar keine Frauen gibt. Eines davon sind Priester oder Pfarrer der katholischen Kirche. Kein Wunder, dass immer mehr Frauen laut einfordern, dass das geändert werden muss. Warum sollten Frauen das nicht können. – Nebenbei bemerkt: Meine Ausbildung als Pastoralreferentin ist absolut identisch mit der eines Pfarrers. Ich bin nur nicht geweiht.

Die theologischen Argumente für den freien Zugang zu allen Ämtern der katholischen Kirche auch für Frauen sind gut belegt und stichhaltig. Ich wünsche mir, dass sie bald Gehör finden, denn in der Bibel heiß es ganz am Anfang: „Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie. [Und] Gott segnete sie…“ (Genesis / 1 Mose 1, 27.28a). Da ist weder von besser oder schlechter die Rede und auch nicht von mehr oder weniger Talent für etwas – nur davon, dass es Menschen gibt und die ein Bild Gottes sind. Ich wünsche mir, dass meine Tochter oder meine Enkelin einmal sagt: „Unglaublich, dass du nicht Priesterin werden durftest, damals!“

 

 

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