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Einmal täglich "Danke"
Hailshadow/GettyImages

Einmal täglich "Danke"

Daniel Lenski
Ein Beitrag von

Daniel Lenski,

Evangelischer Pfarrer, Königstein-Falkenstein
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Meine Frau hat mir zum Jahresbeginn ein besonderes Geschenk gemacht: ein Set mit leeren, kleinen Büchern. Als ich es aus dem Geschenkpapier ausgepackt habe, war ich erst ein wenig überrascht. Was sollen die leeren Seiten? Dann erklärte sie mir den Sinn: An jedem Tag des Jahres 2020 will sie mir auf einer Seite ein liebes Wort mitgeben oder mir sagen, wie gern sie mich hat.

Jeden Tag ein besonderer Wunsch oder ein besonderes Dankeschön

Ich war gerührt. Umso mehr, als sich dann mit jedem weiteren Tag eine Seite füllte: Am 1. Januar gratulierte sie mir dazu, dass ich nun seit genau einem Jahr auf meiner jetzigen Arbeitsstelle bin. Am 2. Januar hat sie auf die Seite geschrieben, wie gut wir mittlerweile darin geworden sind, als Familie zusammen in den Urlaub zu fahren, ohne uns zu stressen. Am 3. Januar wünschte sie mir viel Erfolg für ein Buch, das ich noch überarbeiten muss. Manchmal trägt sie morgens ein, was sie mir für diesen Tag wünscht. Manchmal kommt sie erst am Abend dazu, etwas aufzuschreiben. Dann ist es eher ein Rückblick auf das, was wir an diesem Tag erlebt haben.

Ich freue mich jeden Tag darauf, das Büchlein aufzuschlagen und ihren neuen Eintrag zu lesen. Ich finde: Das ist eine wunderbare Idee, wie man einem anderen Menschen regelmäßig sagen kann, wie sehr man ihn mag oder wofür man dankbar ist. Das macht man sonst meistens nur zu besonderen Anlässen, zum Geburtstag oder am Hochzeitstag.

Die kleinen und großen Momente des Alltags nicht vergessen

Solche Anlässe sind schön. Doch gehen die kleinen und großen Momente des Alltags dabei schon einmal unter: das Essen, das heute besonders lecker war. Der Abwasch, den meine Frau gemacht hat, obwohl eigentlich ich dran war. Die schöne Postkarte, über die ich mich noch lange gefreut habe.

Das sind Gelegenheiten, Danke zu sagen – an jedem Tag. Ich hab’s gut. Meine Frau hat mir das kleine Buch geschenkt, um all diese kleinen und großen Momente für mich festzuhalten. Sie gibt mir dadurch gleichzeitig den Anstoß dazu, mich selbst immer wieder zu fragen: Was war heute besonders? Was hat mich gefreut oder sogar richtig glücklich gemacht? Und dann Danke dafür sagen: Danke an meine Familie, die mich jeden Tag so nimmt, wie ich bin. Danke an den Kollegen, der mir an diesem Tag besonders zur Seite stand. Danke an Gott, der jeden Tag wieder die Sonne aufgehen lässt.

Die Seiten füllen sich schnell

Das kleine Buch mit den anfangs leeren Seiten, das meine Frau mir geschenkt hat, ist mittlerweile zu einem Dialogbuch geworden. Am Abend antworte ich ihr auf das, was sie mir an diesem Tag aufgeschrieben hat. Manchmal notiere ich auch, wofür ich ihr heute dankbar bin. Die ersten 22 Seiten sind bereits beschrieben. Ich staune schon jetzt, wie viele Dinge es jeden Tag gibt, für die ich danken kann.  

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