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Nennt die Namen! Ein halbes Jahr nach den Morden in Hanau
picture alliance / AA | Abdulhamid Hosbas

Nennt die Namen! Ein halbes Jahr nach den Morden in Hanau

Andrea Seeger
Ein Beitrag von

Andrea Seeger,

Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung
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Achtung: Die Demonstration, zu der die "Initiative 19. Februar Hanau" für Samstag, 22. August, aufgerufen hat, wurde kurzfristig am Freitagabend abgesagt. Grund sind die steigenden Corona-Infektionszahlen. Die Angehörigen in Hanau werden im kleinen Kreis der Ermordeten gedenken. Diese Nachricht erreichte uns erst nach der Aufnahme dieses Beitrags.

Am 19. Februar hat ein 43-Jähriger vor einer Shisha-Bar mitten in Hanau und rund um einen Kiosk im Stadtteil Kesselstadt junge Menschen mit Migrationshintergrund erschossen – der Jüngste wurde nur 21 Jahre alt.

Das Motiv? Hass auf alle, die er für fremd hielt. "Die Opfer waren keine Fremden", so stand es auf einem Banner am Rathaus kurz nach der Tat. Sie waren Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Angehörige veröffentlichten Bilder der Ermordeten, nannten ihre Namen.

Nicht allein sein mit dem Schmerz

Das Grauen bekam Gesichter und Geschichten. Die "Initiative 19. Februar Hanau" gründete sich. Deren Mitglieder erneuern regelmäßig Blumen, Kerzen und Bilder an den beiden Tatorten.

Außerdem haben sie ein Ladengeschäft in der Hanauer Krämerstraße gemietet, schräg gegenüber vom ersten Tatort. Der Laden ist zu einer Art Wohnzimmer, zu einer Begegnungsstätte geworden: Sessel, Sofas, an den Wänden hängen Bilder, auf den Tischen steht Tee. Viele Angehörige der Opfer kommen hierher. Sie wollen nicht allein sein in ihrem Schmerz.

Die Bilder und Namen der Ermordeten

Am Mittwoch war der Anschlag ein halbes Jahr her. Heute erwartet Hanau Menschen aus ganz Deutschland zur Demonstration gegen Rassismus und Rechtsextremismus, darunter Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt - um 13 Uhr in Kesselstadt, um 14 Uhr am Freiheitsplatz. Auch hier werden sie die Namen der Ermordeten nennen und Bilder von ihnen zeigen. (Anmerkung der Redaktion: Die Demonstration wurde kurzfristig wegen der steigenden Corona-Zahlen abgesagt - siehe oben.)

Buch des Lebens

Sich die Gesichter vor Augen führen, sie beim Namen nennen – so geht Erinnerung. In der Bibel gibt es eine Vorstellung, die mich sehr tröstet. Da heißt es: Ihre Namen werden in das Buch des Lebens geschrieben. (Z. B. Daniel 12,1; Offenbarung 3,5) Die Toten, lebendig bei Gott. Ihre Namen nicht ausgelöscht, sondern ewig.

Die Toten lebendig bei Gott

Viele der Opfer in Hanau waren Muslime. Im Islam gehören zu den 99 schönsten Namen für Gott diese zwei: Der alles mit seiner Liebe Umfassende. Und: Der die Menschen wieder zum Leben erwecken wird.

Bei Gott geht niemand verloren. Ihre Namen stehen im Buch des Lebens. Gottes Liebe umfasst sie. Mit dieser Hoffnung denke ich heute an die Ermordeten von Hanau.

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