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Die heilige Rita von Cascia
privat: wildrose_milczewsky

Die heilige Rita von Cascia

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf
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In diesen Zeiten der Corona-Krise hört man öfter als sonst von häuslicher Gewalt gegenüber Frauen. Die Beratungsstellen und Frauenhäuser haben gerade viel zu tun.

Früher fanden Frauen in Not manchmal in Klöstern Schutz und Hilfe und manch eine fromme Frau wandte sich im Gebet an die heilige Rita.

Diese Heilige soll nämlich besonders in schwierigen Ehesituationen helfen und überhaupt bei allen ausweglosen Fällen. Meine Patentante, die in Würzburg zu Hause war, hat die heilige Rita sehr verehrt und mich manchmal mitgenommen in die Rita-Kapelle mitten in der Stadt.  

Zwiespältig gebenüber der „Heilige für Ehekrisen“

Als junge Frau war mir diese Heilige ziemlich unsympathisch und suspekt. Wenn es in der Beziehung Probleme gibt, habe ich immer zu meiner Patentante gesagt, dann muss man reden, und wenn das nichts hilft, handeln. Aktiv werden also und nicht bei der Rita beten, schon gar nicht um Geduld zum Aushalten! Bei einem Wanderurlaub durch Umbrien bin ich dann auch durch Cascia gekommen, dem Ort, aus dem die heilige Rita stammt und in dem es eine große Kirche ihr zu Ehren gibt. Ich habe dort gemerkt: Ganz egal ist mir diese Heilige doch nicht – schließlich ärgere ich mich ja über sie.

Aus der Familie der Mediatoren

Ich habe das Leben der heiligen Rita nachgelesen. Weil sie schon im 14. Jahrhundert gelebt hat, ist vieles Legende. Unstrittig ist: Sie wurde in Umbrien in einer Familie geboren, die in jener Zeit der große Fehden zwischen den mächtigen Clans häufig Frieden gestiftet hatte. Daher war Rita nicht nur sehr gläubig, sie konnte auch gut vermitteln. Jung hatte sie einen Mann geheiratet, der dann später in genau so einer Fehde ermordet wurde. Die zwei noch jugendlichen Söhne wollten den Vater rächen, starben aber vorher an der Pest. Nun ganz alleine entschied sich Rita, ins Kloster einzutreten. Doch sie wurde dort nicht aufgenommen. Die Schwestern dort hatten zu viel Angst, dass der blutige Streit auch das Kloster in Gefahr bringen könnte. Letztendlich fand sie dann doch Aufnahme und lebte die allermeiste Zeit ihres Lebens, 44 Jahre, bis zu ihrem Tod im Kloster.

Legende und Wahrheit

Manche behaupten, Rita sei gegen ihren Willen verheiratet worden und ihr Mann sei gewalttätig gewesen. Dann gibt es die Legende, sie hätte darum gebetet, dass ihre Söhne lieber sterben sollten als zu Mördern zu werden. Und bei ihrem Eintritt ins Kloster sollen ihr mächtige Heilige zur Seite gestanden haben. Wer weiß, was davon stimmt.

Am bekanntesten aber ist die Geschichte mit den Rosen: Rita lag mitten im Winter im Sterben und bat eine Verwandte als letzten Wunsch um eine Rose und zwei frische Feigen aus dem Garten. Und die hat die Verwandte dann wirklich gefunden und ihr bringen können. Anschließend sind einige Wunder passiert, sodass Rita schon bald sehr verehrt wurde.  Sie gilt als weise Frau, als Mediatorin, wie wir heute sagen würden, sogar als Mystikerin.

Selbst handeln – und Beistand erbitten

Ich denke noch immer: Es reicht bei Gewalt nicht aus, sich an die heilige Rita zu wenden. Beratung, Hilfe, Zuflucht und Rechtsbeistand, all das ist notwendig! Aber inzwischen glaube ich, dass Rita das heute auch empfehlen würde – und dass, wer sich an die heilige Rita wendet, eigentlich um Gottes Segen bittet. 

Wieso ich das alles heute erzähle? Rita von Cascia soll an einem 22. Mai gestorben sein, weshalb heute ihr Gedenktag ist. Allen Frauen, die Rita heißen, also alles Gute zum Namenstag!

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