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Der Maulwurf und ich
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Der Maulwurf und ich

Christoph Wildfang
Ein Beitrag von

Christoph Wildfang,

Evangelischer Pfarrer, Arnoldshain
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Ich teile mir meinen Garten mit einem Maulwurf. Nach der Zahl der Hügel geurteilt, können es auch zwei oder drei sein. Manchmal denke ich, die könnten sich doch mal zu den Nachbarn rüber graben. Die haben auch einen schönen Garten. Grad, wenn es momentan noch nicht so viel Grün und Blühendes im Garten zu sehen gibt, jedenfalls bei uns im Hochtaunus, wo der Frühling später kommt, dann fallen mir die Maulwurfshügel besonders auf. Sind es 20 oder 30? Ein wenig genervt schippe ich die Hügel flach und verteile die ausgeworfene Erde irgendwo anders hin. Ich untersuche immer die Erde. Die Maulwürfe könnten ja wenigstens mal eine alte Münze ausgraben. Oder einen kleinen Schatz. Bisher gab es aber nur Erde und Steine.

Manchmal stehen abends auch einige Rehe im Garten. Wenn sie mich entdecken, verharren sie. So, als ob ich sie dann nicht sehe. Bleibe ich auch still stehen, knappern sie weiter im Garten. Bis ich mich bewege. In der Nähe vom Garten haben Wildschweine rumgepflügt. Sieht krass aus. Hoffentlich kommen die meinem Garten nicht zu nahe. Wie auch immer. Wir leben hier gemeinsam.

Ein Satz ist mir dabei wichtig: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Das ist von Albert Schweitzer, dem Theologen und Urwaldarzt. Ein zentraler Satz seiner Ethik. Wenn ich vor mich hin schaufele und die Maulwurfshügelerde im Garten verteile, denke ich an diesen Satz. „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

Albert Schweitzer bezog alle Lebewesen in seine Ethik ein. Er hat geschrieben: „In allem findest du dich wieder. Der Käfer, der tot am Wege liegt, er war etwas, das lebte, um sein Dasein rang wie du, an der Sonne sich erfreute wie du, Angst und Schmerzen kannte wie du, und nun nichts mehr ist als verwesende Materie, wie du über kurz oder lang sein wirst.“ In meinem Garten habe ich das vor Augen. Ich lebe in einem Geflecht von Leben. In Zusammenhängen, die viel älter sind als mein Garten und die auch nach mir da sein werden. Ich bin nur ein Teil in Gottes Schöpfung. Für mich ein wichtiger. Für den Maulwurf und die anderen Besucher wahrscheinlich nur ein Störenfried in Gottes Garten. Ich habe mir darum abgewöhnt, mich über die Aktionen meiner Gartenpartner zu ärgern. Sie wollen leben. So wie ich.

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