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Das Leben ist zerbrechlich
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Das Leben ist zerbrechlich

Dr. Barbara Brüning
Ein Beitrag von

Dr. Barbara Brüning,

Katholische Journalistin, Autorin und Systemische Familienberaterin, Frankfurt
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Letzte Woche hat meine Freundin Ruth mich angerufen. Sie ist meine beste Freundin seit der siebten Klasse. Sie war sehr aufgeregt. „Unser Hund ist überfahren worden“, hat sie mir erzählt. Sie stand noch ganz unter Schock.

Nur mit dir kann ich gleichzeitig lachen und weinen  

Sie hat gesagt: „Mir ist klar geworden, wie zerbrechlich unser Leben ist. Es kann so schnell vorbei sein. Wir müssen wirklich genießen, was wir haben.“ Ja, und dann hat sie sich einfach ins Auto gesetzt und ist vorbeigekommen. Sie hatte ihre Kinder dabei, und wir haben erzählt und gemeinsam gegessen und geweint. Und auch wenn wir uns wegen Corona nicht umarmt haben, war es ganz besonders. „Nur mit dir kann ich gleichzeitig lachen und weinen“, hat sie gesagt. So lange schon hatten wir das vor. Aber wir haben es immer wieder aufgeschoben. Der Gedanke, dass auch ihr etwas hätte passieren können, jagt mir einen ganz schönen Schrecken ein.

Ich habe mich gefragt, was das ist, was die Gegenwart eines Menschen so besonders macht. Und ich denke, es ist die ganze Stimmung, die sie mitgebracht hat. Ihr aufmerksamer Blick, ihre Freude an mir. Das Zuhören. Es sind alle Sinne beteiligt.

Gemeinsame Zeit mit lieben Menschen ist so wertvoll

Dann ist es passiert, dass sie mit einem einzigen Satz etwas ganz Wichtiges in mir ausgelöst hat: „Das Leben ist so zerbrechlich“, hat sie gesagt. Ich habe das auch schon gedacht, aber aus ihrem Mund hatte er jetzt eine andere Bedeutung: Auch mein Leben ist zerbrechlich, hieß er auf einmal. Auch ich werde nicht immer da sein. – und er hieß: Die Gegenwart eines lieben Menschen ist nicht selbstverständlich. Und ich freue mich plötzlich einfach nur darüber, dass wir gesund sind und am Leben. Ich freu mich über den Kaffeegeruch und die saure Süße des Pflaumenkuchens.

Das Wort, das dir hilft, kannst du nicht selbst sagen

Das hat mich an ein afrikanisches Sprichwort erinnert, das ich neulich in der Kirche gehört habe: „Das Wort, das dir hilft, kannst du nicht selbst sagen.“ – Ja, habe ich mir gedacht: die Begegnung mit einem lieben Menschen kann etwas in dir verändern, was deine eigenen Gedanken nicht können. Genieße die Begegnungen – denn sie sind nicht selbstverständlich und für immer verfügbar.

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