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Am besten gleich heute
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Am besten gleich heute

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Wir müssen heute ins dänische Königshaus schauen, zu Königin Margrethe und Prinz Henrik. Henrik ist kein König, „nur“ Prinz. Das kränkt ihn. Jetzt sagt er sogar: Ich will nicht neben der Königin beerdigt werden, ich bin ja kein König. Und das nach fünfzig Ehejahren. So tief sitzt sein Schmerz. Dabei ist das Grabmal für beide schon entworfen.

Kränkungen können tief gehen. Sie zerreißen die Seele, manchmal. Und sollen oder wollen einfach nicht heilen. Fünfzig und mehr Jahre nicht. Es kann sein, dass jemand eine Kränkung trägt und immer wieder daran leidet, beim geringsten Anlass. Wie Prinz Henrik von Dänemark. Es ist nicht das erste Mal, dass er sich beklagt. Seine Kränkung öffentlich macht. Viele Zeitungen hören ihm willig zu. Sie brauchen Geschichten von Angst und Schmerz, gerne auch vom dänischen Prinzen, der Franzose ist.

Diese Geschichte aber ist eine zu viel. Gekränkte haben nicht jedes Recht, nur weil sie gekränkt sind. Und keine Kränkung geht über den Tod hinaus. Wer mit seiner Partnerin fünfzig und mehr Jahre zusammen war, wird mit ihr auch beerdigt. Was ist denn das für ein Bild: Die Königin in ihrem Grab, der Ehemann Gott weiß wo. Kinder und Enkel fahren dann durchs Land, um die Gräber zu besuchen. Nein, das geht nicht. Im Tod endet jede Kränkung. Besser noch vorher. Heimzahlen ist keine christliche Tugend. Wir tun alles, was uns möglich ist, um keinen Unfrieden mit ins Grab zu nehmen. Am besten beginnen wir gleich heute damit, uns zu versöhnen. Der Himmel ist zu schön für Streit.

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