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1066 Kerzen
Bild: S. Hermann & F. Richter/Pixabay

1066 Kerzen

Bernd Spriestersbach
Ein Beitrag von

Bernd Spriestersbach,

Evangelischer Pfarrer i. R., Fulda
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Gestern war Ewigkeitssonntag. Oder Totensonntag. Wie manche sagen. In der evangelischen Kirche wurde der Verstorbenen der Gemeinde seit letztem Advent gedacht. Ihre Namen genannt. In vielen Kirchen werden Kerzen für die Toten entzündet.

1066 Kerzen wurden erst nicht entzündet

1066 Kerzen wurden nicht entzündet. In der evangelischen Kirche Seligenstadt. Verloschen stehen sie da. 1066 Kerzen. Eine Kerze für jeden Flüchtling, der 2020 im Mittelmeer ertrunken ist. Eine Installation des Künstlerpaares Elke Helbig und Josef Ruppel. Eine eiserne Treppe steht da. Mit 12 Stufen. Für jeden Monat des Jahres eine.

Für jeden ertrunkenen Flüchtling eine Kerze

Auf jeder Stufe so viele Kerzen wie Flüchtlinge um’s Leben gekommen sind. 14 waren es im April. 188 im November 2020. Jede der 1066 Kerzen haben die beiden einzeln entzündet. Haben sie mit Andacht eine Weile brennen lassen. Dann gelöscht. Verloschene Kerzen. Lebenslichter. So stehen sie da. Stehen für 1066 Menschen. Ertrunken auf der Flucht. Auf dem Weg in eine erhoffte bessere Zukunft.

"Jeder dieser Menschen soll gewürdigt werden"

"Jeder dieser Menschen soll gewürdigt werden", sagt Josef Ruppel. "Auch wenn wir sie nicht kannten. Menschen waren es. Mit Schicksalen und Hoffnungen. Viele hatten ein Säckchen mit Heimaterde bei sich. Keiner ist leichtfertig von zuhause weggegangen. Ihr Leben ist verloschen wie die Kerzen. Sie sollen nicht vergessen werden."

Das verloschene Lebenslicht ist nicht vergessen

Ich finde es gut, dass die 1066 zusammen mit den Verstorbenen der Gemeinde vor Gott gebracht wurden. Mit hineingenommen in die Hoffnung auf Gottes neue Welt. In der kein Leid, kein Geschrei, kein Schmerz mehr sein wird. In der das verloschene Lebenslicht nicht vergessen ist.

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