Jona damals und heute
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Jona damals und heute

Monika Dittmann
Ein Beitrag von

Monika Dittmann,

Katholische Seelsorgerin im Altenheim, Flörsheim am Main

In unserer Schule gibt es einen Jungen mit dem Namen Jona. Ich habe ihn gefragt, ob er wüsste, dass sein Name in der Bibel vorkommt. Er war ganz stolz und konnte mir die Geschichte erzählen.

Diesen Jona schickt Gott, eine Bußpredigt zu halten. Aber er will sich drücken, will fliehen; er geht deshalb auf ein Schiff. Möglichst weit weg von Gott – so sein Impuls. Mit dem Auftrag wollte er nichts zu tun haben. Anderen Menschen ihre Schwächen und Sünden vorzuhalten, dazu noch zu warnen und Umkehr zu predigen, das war so gar nicht sein Ding.

Jona – der Junge, der vor mir steht und vom biblischen Namensvetter erzählt, - der muss schmunzeln. Er druckst ein bisschen rum. Ich bin gespannt, was er noch sagen will … Dann erzählt er mir, dass auch er eine Jona-Geschichte hat. Eine Geschichte mit Gott. Er hatte jahrelang von Gott nichts wissen wollen. So gut es ging, hat er den Gottesdienst am Sonntag geschwänzt. Aber irgendwann ist ihm aufgegangen: „Gerade ich bin von diesem Gott besonders angeschaut und geliebt!“ Jona, der Junge, der vor mir steht, hat eine Behinderung. Man sieht sie ihm auch an. Deswegen wird er oft von anderen links liegen gelassen. Ihm ist klar geworden: Von Gott wird er nicht übersehen. Jona hatte mal ein Kalenderblatt gelesen. Darauf stand: „Nichts soll dich beunruhigen, nichts dich ängstigen. Wer Gott hat, dem fehlt es an nichts.“ (Theresa von Avila) Und weiter stand da als Erklärung: Das ist gerade denen gesagt, die meinen, Gott habe mit ihrem armseligen Leben nichts zu tun ... und das gilt auch für diejenigen, die uns ärgern.

Das hat diesen Jungen mit seiner Behinderung sehr nachdenklich gemacht. Schließlich hat er sich entschlossen, als älterer Junge noch zur Erstkommunion zu gehen und es mit Gott aufzunehmen. „Heute“ – so sagt er „bin ich ein kleiner Jona. Ich rede gerne von Gott, weil ich weiß, dass Gott mit mir barmherzig ist – aber auch mit denen, die mir manchmal nichts Gutes tun. So, wie damals, als Jona unter dem Rhizinusbaum erfahren hat: Gott straft und vernichtet nicht. Er richtet auf.“

Heute wird im katholischen Sonntagsgottesdienst ein Abschnitt aus der Jonageschichte in der Bibel vorgetragen. Ich werde sicher heute Abend noch mal die Bibel zur Hand nehmen und die ganze Geschichte lesen.

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