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Wer will´s von mir lernen
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Wer will´s von mir lernen

Norbert Mecke
Ein Beitrag von

Norbert Mecke,

Dekan, Evangelischer Kirchenkreis Melsungen
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Nun ist es fast schon wieder vorbei – das schöne lange Pfingst-Wochenende. Gute Bekannte hatten schon seit Frühlingsbeginn geschwärmt: „Von Donnerstag bis Montag sind wir weg!“ Und sie sind sogar „hin und weg“ – vom Ferienhaus, das sie für den Pfingst-Törn an die Küste gefunden haben: „Als wir das im Internet gesehen haben, waren wir gleich Feuer und Flamme!“.

Das nenn´ ich wirklich pfingstlich! Um´s Feuer-und-Flamme-Sein geht´s nämlich an diesen Tagen. Gut, ursprünglich nicht in Kombination mit einem Kurzurlaub, aber ich bin überzeugt: Wer weiß, wie sich echte Begeisterung anfühlt, der kommt Pfingsten auf die Spur.

Die Bibel beschreibt das erste Pfingsten so: Feuriges passiert. Die Freunde von Jesus sitzen erst in der Deckung: Nach seinem Tod und trotz der Erlebnisse mit dem auf­erweckten Jesus – mutlos, schlaff und wenig inspiriert. Dann packt sie plötzlich Be­geisterung. Ihnen wird´s warm ums Herz und sie sind „hin und weg“. Sie sind so er­füllt von Gottes Geist, dass es wie bei einer Springflut nur so überläuft. Sie kommen ins Schwärmen. Und siehe da: Es steckt an! Die Leute, die sie damals in Jerusalem überschwänglich reden hören, verstehen es: Was es mit Jesus auf sich hat. Er ist der Grund der Begeisterung. Ist Jesus auch nicht mehr live da: Seine Sache geht weiter! Und wie! Gottes Geist hält die Worte und Taten von Jesus lebendig und lässt darin aufstrahlen, wie er seine Menschen liebt. Und das nicht nur von Donnerstag bis Montag, sondern lebenslang und darüber hinaus; nicht nur in strahlenden Ferien­tagen, sondern erst recht, wenn unser Leben ihm Arbeit macht. Dieser frische, wohl­tuende Rückenwind weht liebesstürmisch an Pfingsten. Damals veränderte es für die Freunde von Jesus alles.

Pfingsten fällt der Groschen.

Er fällt die wichtigen 30 cm von Ohr und Kopf hinunter ins Herz. Aus Wissen wird Vertrauen und aus Kenntnis Glaubensüberzeugung. Aus Jesus, dem Mann von einst, der, der mich jetzt und hier bewegt.

Das passiert auch noch heute. Es liegt in der Luft!

Pfingsten feiern wir´s. Es passiert nicht automatisch an einem 21. Mai – oder wann immer 50 Tage nach Ostern ein langes Wochenende winkt. Pfingsten passiert immer dann, wenn jemand spürt, dass Gott auch ins eigene Leben hinein winkt und weht.

Ich fühle die Euphorie, die Begeisterung, die das entfacht: Der große Gott meint mich kleinen Menschen mit seiner ganzen Liebe! Wau! Das ist wie an der weiten Küste stehen, den unendlichen Horizont im Blick und den Wind im Rücken. Und hin und weg sein, dass man hier sein darf.

Vielleicht erleben das gerade meine Bekannten?! Ich gönne ihnen, dass sie Pfingsten auftanken. Das ist der Sinn des Festes: Menschen werden von Gottes Geist mit Kraft betankt!

Die Kraft Gottes, sein Geist muss ganz ähnlich sein wie… – eine Pippi Langstrumpf. Ich gebe zu: Die kommt in der Bibel nicht vor. Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf ist in diesem Jahr erst 73 Jahre alt gewor­den – und immer noch jung, die wunderbare Geschichte von Astrid Lindgren. Sie kennen diesen Wirbelwind mit den roten Zöpfen samt ihren Freunden Annika und Tommy.

Pippi Langstrumpf bringt ganz viel davon mit, wie die Bibel Gottes Geist beschreibt:

Der ist wie die gute Nachbarin aus der Villa Kunterbunt, die mich in eine andere Welt lockt: „Widde-widde ich zeig Dir die Welt, widewidde, wie sie Gott gefällt!“  Wie Pippi Langstrumpf reißt Gottes Geist mit und lädt zum Mitreisen ein, die Welt zu verändern, zu beschenken, neu zu sehen.

Wenn ich verzagt bin, allzu angepasst oder mich klein fühle wie Pippis Freundin Annika, freue ich mich über Besuch von nebenan, der mir Mut macht. So ist Gottes Geist, seine Kraft!

Wenn ich meine, alles wie Tommy vernünftig regeln zu können, taucht sie auf und zeigt mir, dass im Leben oft mehr möglich ist, als ich denken kann: Manchmal lässt sich scheinbar dauerhaft Zerbrochenes doch wie mit Spezialkleber kitten und Fest­gefahrenes mit Flügelschlägen neu in Bewegung bringen. Gottes Geist macht´s möglich!

Wenn ich wie „der König von Taka-Tuka-Land“ zwar erwachsen und groß und doch ganz gefangen und missmutig bin, kommt sie als Befreierin und sprengt Ketten und Gitterstäbe.

Das Sommersprossen-Mädchen hat riesige Kraft, die sie aber nie missbraucht. Sie schützt damit die Schwächeren. Wie eine Pippi Langstrumpf setzt Gottes Geist frei, beherzt zu sein:

Er richtet auf, pflanzt kühnste Träume in Herz und Sinn und bringt obendrein noch die Großpackung Mut mit, sie zu verwirklichen.

Pippi Langstrumpf fragt nicht erst lange, wie etwas geht. Sie verleiht einfach Lachen und Flügel, Staunen und jede Menge Kinder-Glück. „Wer will´s von mir lernen…?!“, singt sie in die Welt. Ja, so ist Gottes Geist!

Der Clou der Geschichte rund um das Mädchen in Ringelstrumpfhose ist wohl: Pippilotta bleibt Pippilotta, eine ganz Einzigartige. Die anderen aber, die führt sie über sich hinaus – in eine paradiesische Kindheit.

Eben wie die Kraft Gottes, sein einzigartiger Geist: Der Pfingstgeist führt uns dahin, seine Kinder zu sein. Will begeistern, uns Größeres sehen und wagen lassen, uns verwandeln. Uns Paradiesisches eröffnen.

„Frohe Pfingsten!“ – das ist nicht bald schon wieder vorbei. Es geht um Begeisterung die bleibt. Gott erhält sie.

„Widde-widde – ich will´s von ihm lernen!“

Pfingsten ist schließlich auch noch Geburtstag. „Happy birthday to you, liebe Kirche!“

Die Freunde von Jesus bekamen vor etwa 2000 Jahren von Gottes Geist ordentlich Wind gemacht. Sie wurden aus der Deckung geholt. Das war der Startschuss der Kirche. Sie ist genaugenommen der „Club der Begeisterten“. Merkt man nicht immer. Aber so ist das ja oft: Man merkt auch nicht jeden Tag, wie wertvoll, bunt und schön das Leben eigentlich ist. Aber der überreichte Blumenstrauß am Geburts­tag führt es mir neu vor Augen. Oder ein schön für mich und Gäste dekoriertes Wohnzimmer.

Die Kirche will Gott mit seinem Geist zu seiner „Villa Kunterbunt“ machen. „Alle – Groß und Klein –  tralalala, lad´ ich zu mir ein…“ – das war immer Motto von Jesus. Wie könnte das seiner Kirche dann anders lauten?

Eine Villa Kunterbunt: mit fröhlicher Musik, heiterem Miteinander und Platz für Viele.

An einem der letzten Pfingstmontage habe ich´s erst erlebt: beim Tauffest in unse­rem Stadtpark. 36 große und kleine Menschen, die eintauchen wollten in Glaube und Kirche. Was für ein Geburtstagsgeschenk für die Kirche! Dazu 800 Besucher, eine bunte, aus unterschiedlichen Nationen gemischte Band, Singen und am Ende des Gottesdienstes: Bratwurstduft und Picknick. Und wer vorbeikam, blieb und fei­erte einfach mit. Gut so: Denn mit jedem, der fehlt, fehlt Gott und seiner Kirche ein entscheidender Farbtupfer!

Mir fällt die Frau ein, die erst gar nicht kommen wollte, weil ihr Mann kurz zuvor verstorben war. Und ich denke an den gut 80-jährigen, der Schlagzeug und moderne Musik nicht mag. Beide waren da. Vielleicht nur, um neugierig einen Blick zu er­haschen. Und dann wippte der Mann auf seinem Rollator sitzend mit. Das Verbin­dende war plötzlich viel stärker als der eigene Geschmack. Und die Frau saß noch eine Stunde nach dem Gottesdienst mit einer Tasse Kaffee mit andern auf der Bier­zeltbank und lachte das erste Mal seit Tagen wieder.

Manchmal greift Begeisterung ganz sanft und fast übersehbar um sich.

In seiner Villa Kunterbunt malt Gottes Geist zärtlich mit seinen Farben.

So erlebe ich Kirche: Ähnlich wie die Begeisterten am ersten Pfingsten. Damals tauchten gleich 3.000 Menschen ein und ließen sich hineinziehen – in das, was Gottes Geist aufschließt. Seitdem sind es Millionen über Millionen. Weltweit. Bis heute strahlt das aus! Nicht mit Langstrumpf-feuerroten Haaren, sondern durch Herzen, die Feuer gefangen haben: Feuer für Glaube, Hoffnung und Liebe.

Und wer denkt: „Ich hab´s nicht so mit dem Glauben…!“ – Na und? Gott hat´s gerne mit Dir!

Wer sagt „War bei mir nie so´n Thema…!“ – O.k., Gott hat ein Faible für neue Inspi­ration:

Gottes Geist ist immer für einen Stimmungsumschwung in seine Richtung gut – erst recht an Pfingsten:

Wer weiß, bei wem er noch alles echte Aha-Erlebnisse und Geburtsstunden aus­löst!?

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