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Vertrauen
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Vertrauen

Carmen Jelinek
Ein Beitrag von Carmen Jelinek, Evangelische Dekanin, Kirchenkreis Kaufungen

„Seine Hormone spielen verrückt!“ sagt die Mutter, als sich ihr Sohn wieder mal verliebt. Tatsächlich sind es körpereigene Hormone, die in Aktion treten, wenn zwei Menschen ihren Sicherheitsabstand verkleinern und einander näherkommen.

Man hat herausgefunden, dass hier das gleiche Hormon in Aktion tritt, das Geburtswehen auslöst und beim Stillen ausgeschüttet wird. Dabei werden Stress reduziert, das Belohnungssystem aktiviert und die Bereitschaft erhöht, sich anderen zu nähern.

Die Angst vor dem Gegenüber wird gemildert. Es wird leichter, seine Nähe zu suchen, auszuhalten und zu genießen.

Ja, Hormone fördern Vertrauen.  Und Vertrauen ist lebenswichtig. Aber Hormonen allein gelingt es nicht, dass wir vertrauen. 

Wir setzen uns in einen Bus, in einen Zug oder gar in ein Flugzeug. Das können wir alles tun, weil wir vertrauen. Dem Busfahrer, dem Lokführer, dem Piloten, der Technik. Ohne Vertrauen könnten wir nicht paragleiten und Fallschirmspringen. Wir könnten keine Familien gründen. Ohne Vertrauen, dass das Essen in Ordnung ist, würden wir nicht mal unsere Mahlzeiten zu uns nehmen.

Manche Menschen haben Schwierigkeiten zu vertrauen. 

Vertrauen bedeutet immer, ein Risiko einzugehen. Wir setzen darauf, dass unser Gegenüber Wort hält, dass der andere tut, was er sagt, und uns gegenüber keine bösen Absichten hegt und auch die Technik das hält, was sie verspricht.

Einer meiner Lehrer sagte vor Klassenarbeiten immer: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“ und passte mit Argusaugen auf, dass niemand abschreiben konnte. Ja, vielleicht hatte er Recht – wir nutzten damals jede Möglichkeit. Trotzdem haben mir die Lehrer besser gefallen, die mir etwas zutrauten, die große Stücke auf mich hielten. Deren Vertrauen wollte ich einlösen. Mein Deutschlehrer gab mir die Hauptrolle in einem Theaterstück, obwohl ich bei ihm keine besonders guten Noten schrieb. Das hat viel verändert.

Das Gute ist: Vertrauen entsteht nur durch Vertrauen, durch Zutrauen. Einer muss das Risiko eingehen und sozusagen in „Vorleistung“ treten.  Man kann mit dem Vertrauen nur anfangen, indem man damit anfängt und wirklich Vertrauen schenkt.

Auch Gott ruft Menschen, ihm zu vertrauen. Er spricht uns an – Frauen und Männer, Junge und Alte, er ruft uns beim Namen. Er schickt uns auf den Weg mit einem Versprechen: „Ich bin bei dir, ich begleite dich, wohin du auch gehst, ich werde dich segnen. Fürchte dich nicht, ich bin bei dir.“

Gott macht den ersten Schritt. Er sucht uns. Wir sind eingeladen, darauf zu vertrauen, dass er es gut mit uns meint, dass er uns auf dem Lebensweg begleitet, führt, tröstet und beschützt.

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