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Trisomie-Test - Wie willkommen sind Menschen mit Behinderung?
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Trisomie-Test - Wie willkommen sind Menschen mit Behinderung?

Dr. Anke Spory
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Dr. Anke Spory,

Evangelische Pfarrerin, Bad Homburg-Gonzenheim
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Die Krankenkassen können künftig die Kosten für einen Trisomie-Test übernehmen – allerdings nur in begründeten Ausnahmefällen. Das hat diese Woche der Gemeinsame Bundesausschuss beschlossen, also die Vertreter von Krankenkassen, Ärzten und Kliniken. Dieser Bluttest während der Schwangerschaft gibt Aufschluss darüber, ob ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt kommen wird. Das konnte man auch schon bisher untersuchen, zum Beispiel, indem man Fruchtwasser entnimmt. Aber dabei gibt es immer die Gefahr einer Fehlgeburt. Dieses Risiko ist beim Bluttest gleich null. Trisomie-Test als Kassenleistung - diese Entscheidung ist trotzdem umstritten. Dazu der hr1 Zuspruch von Pfarrerin Anke Spory aus Bad Homburg.

„Ihr Kind wird höchstwahrscheinlich mit einem Down Syndrom zur Welt kommen.“ Die Angst vor so einer Aussage kann einem niemand nehmen. Was bedeutet das, ein Kind mit Behinderung zur Welt zu bringen? Wie wird es das Leben verändern - mehr, als es ein Kind ohnehin tut? Was passiert mit meinem Kind, wenn ich nicht mehr bin? Diese Fragen und die Angst von werdenden Eltern kann ich gut verstehen.

Den Bluttest, der Auskunft über die Wahrscheinlichkeit geben kann, ob ein Kind mit einem Down Syndrom zur Welt kommen wird, gibt es schon länger. Aber bisher müssen die werdenden Eltern selbst dafür zahlen. Jetzt hat der Bundesausschuss beschlossen: Der Trisomie-Test wird ab 2020 in begründeten Einzelfällen eine Kassenleistung. Künftig können ihn also Eltern unabhängig vom Geldbeutel machen.

Trotzdem ist die Entscheidung umstritten. Die evangelische Kirche in Deutschland war dafür, weil der Test für die Schwangere und ihr werdendes Kind schonender ist als zum Beispiel die Fruchtwasseruntersuchung. Die katholische Kirche ist dagegen. Auch andere befürchten, dass aus den begründeten Einzelfällen schnell eine flächendeckende Untersuchung wird und Menschen mit Behinderung schon vor der Geburt aussortiert werden.

Wo fängt Leben an, was macht ein Leben lebenswert und wann wird ein Leben beendet? Das sind sensible Fragen mit enormer Tragweite. Was die Medizin leisten kann, ist das eine. Das andere ist die Frage: Wie gehe ich mit der Information des Bluttests um? Als ich schwanger war, hat mir mein Arzt geraten: „Überlegen Sie sich, wieviel Sie vorher wissen wollen.“ Mir hat das geholfen. Es hat mir gezeigt: Was medizinisch feststellbar ist, macht meine Entscheidung nicht einfacher.

Darum ist so enorm wichtig, was die evangelische Kirche fordert: Eltern brauchen kompetente und einfühlsame Beratung. Eltern können sich leichter für ein Kind mit Down Syndrom entscheiden, wenn sie der Gesellschaft zutrauen: Ihr Kind mit Behinderung ist herzlich willkommen.

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